Kolportiert: Ärger über Gedenkmesse für Dollfuß

12. Juli 2005, 16:52
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Schüssel fordert zum Kirchgang anlässlich des Todestages des Ständestaat-Diktators auf

Das Bundeskanzleramt lädt wieder einmal zur umstrittenen Gedenkfeier für den christlichsozialen Bundeskanzler Engelbert Dollfuß (1892-1934). Angesichts des Jubiläumsjahres zeigten sich die Initiatoren bei der Formulierungen ihrer Einladung, die unlängst per Mail an alle Mitarbeiter verschickt wurde, überaus vorsichtig.

Sie bitten nicht direkt zur Gedenkmesse für den umstrittenen Bundeskanzler (Dollfuß schaltete im März 1933 das Parlament aus, schuf mit der Maiverfassung 1934 einen autoritären Ständestaat und stützte sich vor allem auf die katholische Kirche, die Heimwehr und die Bauern), sondern funktionieren die alljährliche Zusammenkunft zu einem Gedenktag für "die verstorbenen Bundeskanzler und die verstorbenen Kolleginnen und Kollegen unseres Hauses" um, wie es in der Einladung heißt. Welch ein Zufall, dass diese allgemeine Gedenkmesse ausgerechnet an Dollfuß' Todestag, dem 25. Juli 2005, stattfinden soll: Die entsprechende Messe ist für 8 Uhr in der Hauskapelle des Bundeskanzleramtes angesetzt und soll von einem Kapitular des Schottenstiftes gelesen werden. Letztes Jahr zelebrierte sie Gregor Henckel-Donnersmarck.

Unter den Mitarbeitern von Wolfgang Schüssel ist der Ärger über diese von der Präsidialabteilung offiziell verschickte "Einladung" groß. Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass die Personalabteilung zur Messe bittet, schon zu Fronleichnam gab es die Aufforderung zum Kirchgang. (DER STANDARD, Printausgabe, 09./10.07.2005)

Von Barbara Tóth
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