EnergieAllianz stört Einstieg des Verbunds in Endkundenmarkt

31. Juli 2005, 18:13
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EVN-Chef Hofer: "Überlegen rechtliche Schritte" - Landesenergieversorgern wenden sich an Regierung und Landeshauptleute

Wien - Die vom Verbund angekündigte und seit Wochen beworbene Direktbelieferung von Unternehmen und Haushalten mit günstigen Strom aus Wasserkraft stößt den Partnern der EnergieAllianz sauer auf. "Wir überlegen rechtliche Schritte gegen den Verbund", sagte der Chef der EVN, Burkhard Hofer, die zusammen mit Wienstrom, Energie AG Oberösterreich, Linz AG und Bewag die EnergieAllianz bilden.

Es sei zu prüfen, ob hier nicht das Gesetz über unlauteren Wettbewerb (UWG) und Wettbewerbsrecht verletzt werde, sagte Hofer. Es gehe nicht an, dass die Verteilunternehmen zu gleichen Konditionen beliefert werden sollen wie die Endkunden des Verbund. Darunter litten insbesondere Unternehmen wie die Bewag im Burgenland, die über keine eigenen Kraftwerke verfüge und den Strom, den sie dann wieder verteile, fast zur Gänze zukaufen müsse. In einem Schreiben an Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, Wirtschaftsminister Martin Bartenstein und die Landeshauptleute fordern sämtliche Landesenergieversorger mit Ausnahme der Kärntner Kelag, dass der Verbund zurückgepfiffen wird.

"Gezielter Querschlag"

Der Wiedereinstieg des Verbund in das Endkundengeschäft sei ein "gezielter Querschlag" gegen die politisch gewollte Österreichische Stromlösung (Ösl), in der die Partner der EnergieAllianz und der Verbund teilfusionieren sollen. Hofer ist optimistisch: "Ich glaube, dass in den nächsten zwei bis drei Wochen eine Lösung zustande kommt, wie sie bereits kartellrechtlich genehmigt wurde."

Das hieße nicht mehr und nicht weniger, dass der Verbund in die Gründung eines gemeinsamen Handelshauses (mit Ein-Drittel-Beteiligung der EnergieAllianz) und Großkundenvertriebs (mit Zweidrittelmehrheit der Allianz-Partner) einwilligt. Was dieser unter Hinweis auf den mauen Wettbewerb in Österreich und geänderte Rahmenbedingungen seit Bewilligung der Ösl ablehnt.

Eine weitere Verhandlungsrunde am Freitag ist ohne Ergebnisse zu Ende gegangen. "Es gibt nach wie vor kein Bekenntnis vonseiten der Verbundgesellschaft, die Österreichische Stromlösung in der kartellrechtlich genehmigten Form umzusetzen", hieß es aus der EnergieAllianz. Die Sache sei "entscheidungsreif und duldet keinen weiteren Aufschub", hieß es. (stro, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9./10.7.2005)

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