Arbeitslosigkeit war 2004 ein Frauenproblem

31. August 2006, 12:01
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Für das IHS ist die Jobsituation der Frauen "problematisch" - Frauenarbeitslosigkeit 2004 um 3,2 Prozent gestiegen - mit Grafik

Wien - "Anlass zur Sorge" gibt die hohe Frauenarbeitslosigkeit für das Institut für Höhere Studien (IHS). "Die Arbeitsmarktsituation der Frauen ist als problematisch einzuschätzen. Die jüngste Konjunkturbelebung kommt primär Männern zugute und reduziert nicht die Frauenarbeitslosigkeit", warnt das IHS in der Studie "Frauen am Arbeitsmarkt - Entwicklung der Arbeitslosigkeit im Jahr 2004", die Frauenministerin Maria Rauch-Kallat beim IHS in Auftrag gegeben, bisher aber unter Verschluss gehalten hat.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Damit sich die Frauenarbeitslosigkeit nicht als strukturelles Problem verfestige, müssten Maßnahmen zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie oberstes Ziel sein. Denn die offizielle Frauenarbeitslosenquote sei hauptsächlich aufgrund der Verlängerung der Karenzzeit auf drei Jahre sowie der Ausweitung der AMS-Schulungen reduziert worden.

Im Jahr 2000 waren im Jahresschnitt nur 28.585 Jobsuchende in Schulungen, 2004 bereits 42.645. Per Stichtag 30. Juni 2005 gab es laut AMS 47.553 Schulungsteilnehmer, davon 23.545 Frauen und 24.008 Männer. Deshalb spricht das IHS von "erweiterter Arbeitslosigkeit" inklusive Karenzgeldbeziehern und Schulungsteilnehmern. Diese erweiterte Arbeitslosenquote sei bei Frauen "ganz erheblich gestiegen" und beinahe gleich hoch wie jene der Männer. Aufgrund einer "versteckten Arbeitslosigkeit" dürfte die Betroffenheit bei Frauen sogar noch höher sein. Die Ursache dafür ortet das IHS in der höheren Instabilität der Berufskarrieren von Frauen. Deren Berufserfahrung ist im Schnitt drei Jahre geringer als die der Männer, was auf ihre "unvollständige bzw. begrenzte Integration" ins Erwerbsleben zurückzuführen sei. Den Rest besorgt die Teilzeitbeschäftigung, zumindest im Niedrigqualifikationsbereich.

Fazit: Die Misere kommt nicht von (mangelnder) Qualifikation und Konjunktur, sondern von der Konzentration in Branchen mit höherer Arbeitslosigkeit, also Dienstleistungen, Gesundheit und Gastgewerbe. (APA, DER STANDARD, Print, 11.7.2005)

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