Glaubwürdige Afrikahilfe

8. Juli 2005, 17:58
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Stagnation und Verzweiflung in Afrika bieten einen ständigen Nährboden für Gewalt - von Eric Frey

Man wird wohl nie erfahren, ob der G-8-Gipfel ohne den Terror in London anders ausgegangen wäre. Möglicherweise hätte Tony Blair die Gelder für Afrika auch so durchsetzen können. Aber nach dem Blutbad in London konnten es sich die Staats- und Regierungschefs gar nicht leisten, ohne konkretes Ergebnis auseinander zu gehen. Da die USA beim Klimaschutz nur zu vagen Absichtserklärungen bereit waren, bot die Aufstockung der Entwicklungshilfe der G-8 die einzige Möglichkeit, Entschlossenheit zu zeigen.

Die Idee, auf Terror mit Hilfe zu reagieren, ist nicht neu. Auch George W. Bush hat kurz nach dem 11. September 2001 mehr US-Mittel gegen Armut und Aids zugesagt - und dieses Ver^sprechen zumindest teilweise eingehalten. Niemand wird so naiv sein, zu glauben, dass ein Schuldenerlass für Tansania oder Gratismedizin für Botswana islamistische Fanatiker aufhalten kann. Aber Stagnation und Verzweiflung in Afrika bieten einen ständigen Nährboden für Gewalt, die eines Tages auch nach Europa überschwappen kann.

Tatsächlich sind die in den Jahren zuvor abgespeckten Entwicklungshilfebudgets nach dem 11. September deutlich gestiegen. Ob die zusätzlichen Milliarden diesmal wirklich den Armen in Afrika zugute kommen und nicht wieder auf den Bankkonten korrupter Eliten landen, bleibt offen. Aber glücklicherweise haben die G-8 ein weiteres positives Signal an Afrika gesendet: Sie wollen all ihre Agrarexport-Subventionen, mit denen sie die Produkte der armen Länder vom Weltmarkt verdrängen, "bis zu einem glaubwürdigen Zeitpunkt" einstellen. Ein solcher Schritt wäre genau jene Hilfe zur Selbsthilfe, von der Entwicklungshelfer schwärmen. Ob sie zustande kommt, hängt allerdings noch von den stockenden WTO-Verhandlungen ab. Es würde der Glaubwürdigkeit des Westens gut tun, wenn dieser Zeitpunkt sehr bald eintritt. (DER STANDARD, Printusgabe, 9.7.2005)

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