Deutscher Journalist Peter Boenisch gestorben

19. Juli 2005, 15:50
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Er war einer der bedeutendsten Journalisten der Nachkriegszeit und Kohls Regierungssprecher

Der Journalist und frühere deutsche Regierungssprecher Peter Boenisch ist tot. Er starb Freitag zu Mittag im Alter von 78 Jahren am Tegernsee an einer schweren Krankheit. Die längste Zeit seines Berufslebens war Boenisch für den Springer-Verlag in leitenden Funktionen als Chefredakteur der Zeitungen "Bild", "Bild am Sonntag" und "Die Welt" tätig. Von 1983 bis 1985 war er Regierungssprecher von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU).

Bundeskanzler Gerhard Schröder, der Boenisch 2001 den Vorsitz des Petersburger Dialogs übertragen hatte, würdigte ihn als "engagierten Demokraten" und einen der "großen Kommunikatoren unseres Landes", dem besonders die Begegnung zwischen jungen Deutschen und Russen am Herzen gelegen habe. Altkanzler Kohl zeigte sich tief betroffen, Boenisch sei zugleich weltoffen und "ein streitbarer und streitbereiter Kritiker" gewesen.

"Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle"

Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber nannte ihn einen "Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle" und erklärte, Boenisch habe als Regierungssprecher Deutschland im In- und Ausland hervorragend vertreten. Springer-Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner würdigte den Verstorbenen als großen Journalisten und brillanten Kolumnisten. WDR-Intendant Fritz Pleitgen sagte, Boenisch habe große Themen gesetzt und Rückgrat gegenüber den Mächtigen besessen.

Boenischs Mutter stammte aus Odessa in der Ukraine. Sie brachte ihn am 4. Mai 1927 in Berlin als Frau eines deutschen Ingenieurs zur Welt. Nach einem Jura- und Slawistik-Studium begann er seine journalistische Laufbahn, schrieb für "Newsweek" und die "New York Times". Später leitete Boenisch die Redaktion der Illustrierten "Revue" und beteiligte sich an der Entwicklung der "Bravo".

Im Sommer 1959 kam er zum Axel-Springer-Verlag und wurde Anfang 1961 Chefredakteur der "Bild"-Zeitung. Von 1965 bis 1970 leitete er zudem die Redaktion von "Bild am Sonntag". 1971 gab er die Chefredaktion der "Bild" ab, blieb aber Kolumnist. Im Rentenalter bekannte er, das Blatt habe in der Auseinandersetzung mit der 68er Studentenbewegung Fehler gemacht. Von Juli 1978 bis März 1981 gestaltete Boenisch als Chefredakteur die unter Auflagenverlust leidende "Welt" gründlich um.

Regierungssprecher

leichzeitig beriet er Kohl im Bundestagswahlkampf. Im Mai 1983 ernannte Kohl ihn zum Staatssekretär und Leiter des Bundespresse- und Informationsamts. Als Regierungssprecher musste er sich zuweilen von Journalisten vorwerfen lassen, er neige manchmal dazu, präzise Informationen durch flotte Sprüche zu ersetzen. Ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung erzwang am 14. Juni 1985 seinen Rücktritt.

Ein Jahr lang arbeitete Boenisch danach in leitender Funktion beim Burda-Verlag; er war für die "Bunte", für "Burda-TV" und neue Objekte zuständig. Von 1999 bis 2001 war er Mitglied des Aufsichtsrats der Axel Springer AG. Ein im April 2001 geschlossener Autoren- und Beratungsvertrag wurde Juni 2001 gekündigt, weil man Boenisch übelnahm, dass er ohne Genehmigung für die "Süddeutsche Zeitung" geschrieben hatte. (APA)

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