7. Etappe: Eisel Dritter in Karlsruhe

28. Juni 2006, 17:11
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Österreicher im Massen­sprint wieder top - Rob­bie McEwen siegt vor Back­stedt - keine Verän­derungen im Gesamtklassement

Karlsruhe - Der Erfolgslauf der österreichischen Radprofis bei der 92. Tour de France geht weiter. Bernhard Eisel fuhr am Freitag in Karlsruhe auf der siebenten Etappe der "Großen Schleife" mit Rang drei bereits den zweiten Podestplatz eines Österreichers in der nicht einmal eine Woche alten Rundfahrt ein. Durch Rang vier von Gerrit Glomser hält das rot-weiß-rote Quartett auf sechs Einzel-Etappen nun schon bei sieben Top-Ten-Plätzen.

Nach 228,5 Kilometern von Luneville nach Karlsruhe war es zum Massensprint gekommen. Einmal mehr hatte Robbie McEwen das bessere Ende für sich, der Australier war erst auf den letzten Metern an die Spitze gefahren. Doch hinter dem Star vom Team Davitamon-Lotto und dem zweitplatzierten Schweden Magnus Backstedt (Liquigas-Bianchi) setzten sich bereits Eisel und Glomser fest.

Eigentlich war die Team-Strategie von Francaise des Jeux diesmal auf den Australier Baden Cooke ausgerichtet, nachdem Eisel am Vortag trotz Unterstützung seiner Teamkollegen "nur" auf Rang sieben gekommen war. Doch während Cooke unmittelbar hinter Glomser bloß Fünfter wurde, bewies Eisel seine Qualitäten. "Endlich habe ich meinen Podestplatz", lautete seine erste Reaktion.

Der Steirer war überglücklich darüber, dass es nach den Plätzen vier (3. Etappe) und sieben (5. Etappe) nun mit dem Stockerl geklappt hat: "Sehr viel Druck ist jetzt von meinen Schultern gefallen. Der Sieg war heute nicht möglich, McEwen war einfach zu stark. Ich trat 180 Meter vor dem Ziel an, dadurch stand ich leider zu früh im Wind. McEwen ging 80 Meter später raus und war uneinholbar."

Beeindruckt war der 24-Jährige von den Zuschauermassen auf deutschem Boden: "Nach der Grenze standen die Leute bis ins Ziel in Viererreihen aufgefädelt. Es war eine Stimmung wie beim Fußballschlager Argentinien - Brasilien", meinte der gebürtige Voitsberger. "Ich habe schon viele Sportveranstaltungen gesehen, aber das heute war der Hammer." Rund 400.000 Zuschauer standen an der Strecke.

Glomser nahm im Massensprint eine gute Position ein und saugte sich schließlich in Eisels Windschatten zur Top-Platzierung. Der Salzburger war bereits am Vortag in Nancy Neunter gewesen. In den 60 Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg haben Österreichs Rad-Asse übrigens fünf Podestplätze bei der Tour de France errungen, zwei davon in dieser Woche. Peter Wrolich (Gerosteiner) war am Montag in Tours Zweiter gewesen, zwei Plätze vor Eisel.

Die Geschichte des letzten Teilstücks vor den ersten bergigen Etappen hatte vorerst der Deutsche Fabian Wegmann geprägt, der Gerosteiner-Profi war zunächst mit McEwen ausgerissen und wurde nach einer 149-km-Solofahrt mit bis zu acht Minuten Vorsprung 20 Kilometer vor dem Ziel eingeholt. McEwen seinerseits zog mit dem Niederländer Tom Boonen gleich, beide Sprint-Asse halten bei dieser Tour nun bei zwei Etappen-Siegen.

Unspektakulär verteidigte Lance Armstrong das Gelbe Trikot, der Tour-Favorit von Discovery Channel führt weiter 55 Sekunden vor seinem US-Landsmann und Teamkollegen George Hincapie. Am Samstag geht's über 231,5 km von Pforzheim zurück nach Frankreich nach Gerardmer. 15 Kilometer vor dem Ziel wird der 16,8 km lange Anstieg auf den Col de la Schlucht der erste der zweiten Kategorie bei dieser Tour sein.

Eisel sieht aber auch dieser und ähnlichen kommenden Aufgaben gelassen entgegen: "Ich konzentriere mich von Tag zu Tag, von Berg zu Berg. Ich bin jetzt viel ruhiger und sehe vor allem am letzten Tag in Paris noch eine Chance auf ein Top-Ergebnis." Im Grunde kommt nun aber allmählich die Zeit des vierten Österreichers, des Vorjahres-Siebenten Georg Totschnig.(APA)

7. Etappe, 228,5 km von Lunevile nach Karlsruhe: 1. Robbie McEwen (AUS/Davitamon-Lotto) 5:03:45 Stunden - 2. Magnus Backstedt (SWE/Liquigas-Bianchi) - 3. Bernhard Eisel (AUT/FDJeux.com) - 4. Gerrit Glomser (AUT/Lampre-Caffita) - 5. Baden Cooke (AUS/FDJeux.com) - 6. Fabian Cancellara (SUI/Fassa Bortolo) - 7. Tom Boonen (BEL/Quick Step) - 8. Gianluca Bortolami (ITA/Lampre-Caffita) - 9. Thor Hushovd (NOR/Credit Agricole) - 10. Juan Antonio Flecha (ESP/Fassa Bortolo) - weiter: 40. Peter Wrolich (AUT/Gerolsteiner) - 45. Jan Ullrich (GER/T-Mobile) - 53. Lance Armstrong (USA/Discovery Channel) - 89. Georg Totschnig (AUT/Gerolsteiner) alle gleiche Zeit

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    McEwen, Backstedt, Eisel.

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    Und noch einmal: McEwen, Backstedt, Eisel.

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