Versteckte Männlichkeit

12. Juli 2005, 07:00
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Gespräche zwischen Vätern könnten aufdecken, wie es um Burschen in der Schule steht - ein Dramolett

Der Hintergrund: Vor allem Forscher fragen sich schon lange, wie es um Burschen in unserer Gesellschaft bestellt ist. Einhellig ist dabei der Befund: Es geht ihnen immer schlechter. Ad Ursache stellt sich die Frage: Versagen die Buben oder versagt die Erziehung? Die Forscher haben sich umgehört. Versteckte Mikrofone/Kameras sind keine im Einsatz, das wäre verboten. Dennoch werden uns exklusive Gesprächsauszüge zugespielt ...

Die Protagonisten: Zwei Väter (V1 und V2).

Setting: Samstag Nachmittag, ein Spielplatz. V1 und V2 haben sich gerade nebeneinander auf eine Bank gesetzt. Ihre zwei Burschen tollen übers weitläufige Gelände ...

Teil 1

V1: Servus. Du bist auch mal mit deinem Kleinen unterwegs?
V2: Meine Frau kocht endlich mal für meinen Chef. Da konnt ich nimmer 'Nein' sagen ...
(Wissendes Nicken von der anderen Seite)
V2 ruft indessen seinen Sohn halbherzig zur Raison: Tobias, nicht alle niederrennen ...
V1: Deiner ist wenigstens lebendig. Ich trau's mich ja kaum sagen (... V1 zögert kurz und senkt dann seine Stimme vertraulich ...) meiner spielt lieber mit den Mädchen und ihren Barbies ...
V2 (zieht die Augenbrauen kurz hoch): Du musst ihn erziehen. Er muss lernen, stark zu sein und sich durchzusetzen ... die richtigen Geschenke sind wichtig: Videospiele, Autos und Flugzeuge ... da steckt die Männlichkeit drin!

Als eine Frau mit Kinderwagen vorbeigeht, neigt sich V2 zu V1 und setzt leiser fort: Und Weinen ist ja was für Schwache! Das habe ich meinem schon beigebracht.
(V1, in Gedanken versunken ...)
V1: Ich hab gehört, dir wird a Frau vorgesetzt?
V2 (empört): Ganz sicher net! Was glaubst, warum ich den Chef zum Essen einlad?!
(... und mehr leise zu sich selbst ...) und in unserem Verband haben noch alle zammg'halten!

Teil 2

V1 setzt später das Gespräch über ihre Söhne fort: Du, stimmt's, dass deiner in der Schule nur Probleme macht?
V2: Daran ist die Lehrerin schuld! Feinmotorik fehlt ihm, sagt sie, stillsitzen kann er net, ärgert die anderen, ist rücksichtslos. Schön schreiben soll er können, als ob das wichtig wär?!
(V1 hört gebannt zu.)
V2 lehnt sich zufrieden zurück: Frauen! Was er fürs Leben braucht, sag ich ihm schon! Ich nehm ihm auch die literarischen Bücher weg, nur in Sachtexten lernt er was.
V1: Meiner muss auch so einen Schwachsinn lesen. Ich frag mich echt, wo die guten Lehrer hin sind, die Lehrer ...
V2: Männer sind doch gscheiter. Wer will schon vor einer Klasse, dieser Meute, stehen und noch dazu nix verdienen! Das lassen wir schon den Frauen.
(V2 lacht dabei laut auf.)
V1 stimmt ein: Gscheit! Und wenn's wieder heißt, dass unsre Buben laut, aggressiv und schlecht sind, dann sind die Frauen schuld!

V2 (selbstgefällig): Wir sind ja eh da! Von wegen fehlende Männer! Läuft ja eh nix, wenn wir das Geld net nach Hause bringen!
V1: Und ohne unsere Buben gäb's die künftige Führungselite nicht.
V2: Aber dem Versagen der Burschen in der Schule müssen wir noch Einhalt gebieten. (nachdenklich) Ich werd die Kampagne starten. (bestimmt werdend) Gleich morgen! Ab jetzt werden nur mehr Männer als Lehrer in die Schulen aufgenommen - und müssen natürlich auch viel mehr verdienen. Sonst macht's ja keiner! Für die Kampagne kann ich das Geld unserer Abteilung endlich sinnvoll verwenden - und befördert werd ich dann sicher auch bald. Mit meinen guten Ideen!
V1 (aufhorchend): Wie willst das verkaufen?
V2: Mit dem besten Slogan natürlich: "Gleiche Chancen für unsere Buben!"
(dy)

12.7.2005
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