Europa: Zeitweise tiefe Minuszeichen

12. Juli 2005, 17:59
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Ein Kommentar von Alihan Karadagoglu und Jürgen Ulamecaus dem Equity Weekly der Erste Bank

Eine Serie von Terroranschlägen in London löste am Donnerstag an den Finanzmärkten große Unsicherheit aus und drückte die Aktienkurse europaweit zeitweise tief ins Minus. Nach anfänglichen starken Kursbewegungen konnten sich die Märkte aber wieder stabilisieren und schlossen die Handelswoche mit deutlich geringeren Abschlägen. Vor allem standen Aktien von Versicherern, Fluggesellschaften und der Tourismusbranche unter erhöhtem Abgabedruck. Belastet wurde der Markt in der vergangenen Woche teilweise auch von hohen Ölpreisen. Während Aktien der großen Ölunternehmen erneut zulegen konnten, gerieten ölpreisempfindliche Branchen, wie die Papiere von Chemiekonzernen und Reifenherstellern, unter Druck.

Auf Unternehmensseite konnte der Lebensmittelkonzern Danone im schwachen Markt starke Kursaufschläge verzeichnen. Auslöser für die Gewinne war ein Medienbericht, wonach der US-Getränkekonzern Pepsi an einer Übernahme interessiert ist. Positiv aufgenommen von den Anlegern wurde der Ausstieg von MAN vom teuren Bieterkampf um den Dieselmotorenhersteller MTU. Die Allianz-Aktie profitierte von Spekulationen um einen möglichen Verkauf der Dresdner Bank. Gefragt waren auch die Automobilwerte. Unbeeindruckt von der Korruptionsaffäre beim Konzern konnte die Volkswagen-Aktie ihren Aufwärtstrend seit Ende April fortsetzen. Neben BMW, die den Ausblick für das Gesamtjahr bekräftigte, konnten auch Renault und Peugeot im ersten Halbjahr mehr Autos absetzen als im Vorjahreszeitraum. Allerdings verbuchten beide französischen Unternehmen in ihrem Kernmarkt Europa einen Absatzrückgang.

Auf Konjunkturseite ließ die europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen wie erwartet unverändert bei 2 Prozent. In Deutschland stiegen die Einzelhandelsumsätze und der Auftragseingang im Mai gegenüber dem Vormonat an und machten den Rückgang im April mehr als wett. Ein Vergleich mit dem Anschlag in Madrid in 2004 zeigt, dass die Kursverluste angesichts der jüngsten Ereignisse nach einer kurzen Schwächephase aufgeholt werden dürften. Daher rechnen wir für die kommenden Handelstage mit einem verstärkten Fokus der Anleger auf die bevorstehende Berichtssaison.

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