Wiener Forscher klären eine Wirkung des SARS-Virus

11. Juli 2005, 20:05
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Die Arbeiten liefern Hinweise auf die Behandlung schwerer Lungenkrankheiten

Wien - Die Art und Weise, wie das gefürchtete SARS-Virus in Zellen eindringt, haben Wissenschafter des Instituts für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) aufgeklärt. Die Arbeiten liefern Hinweise, wie SARS und auch andere schwere Lungenkrankheiten behandelt werden könnten. Die Untersuchungen wurden in den jüngsten Ausgaben der Zeitschriften "Nature" und "Nature - Medicine" veröffentlicht.

Das SARS-Virus verursacht eine gefährliche Lungenerkrankung, die nicht selten tödlich endet. Ursache ist dann akutes Lungenversagen: Die Blutgefäße in der Lunge werden durchlässig, Blutserum tritt aus und die Patienten ertrinken förmlich an der Flüssigkeit, die sich in der Lunge als so genanntes Ödem angesammelt hat.

Rolle eines Enzyms

Die Forscher um Josef Penninger konnten nun zeigen, dass ein Enzym namens ACE2 eine entscheidende Rolle sowohl bei der Infektion als auch beim oft tödlichen Verlauf von SARS eine wichtige Rolle spielt. ACE2 ist für die Wissenschaft kein unbekanntes Molekül, es spielt bei der Regulation von Blutdruck und Herzfunktion eine entscheidende Rolle. Wie die Wiener Forscher und zeigen konnten, ist es auch jener Rezeptor auf einer Zelle, über den SARS-Viren in Zellen eindringen können.

Um den endgültigen Beweis erbringen zu können, schalteten die Forscher in Mäusen jenes Gen aus, das ACE2 produziert. Tatsächlich konnte das Virus diese Mäuse nicht infizieren. "Das zeigte, dass ACE2 ein entscheidender Rezeptor ist, über den das Virus in die Zellen eindringt", so Penninger.

Therapie-Ansatz

Die Forscher haben über ihre Forschungen am SARS-Virus aber auch wichtige Erkenntnisse über die Bedeutung von ACE2 erhalten. Nachdem dieses Molekül durch die Viren völlig blockiert wird, versuchten die Wissenschafter rekombinantes, humanes ACE2 als Heilmittel einzusetzen. Tatsächlich gelang es, den Zustand von bereits an SARS erkrankten Mäusen durch die Gabe von ACE2 wesentlich zu verbessern.

Die Wissenschafter hoffen, durch den neuen Therapie-Ansatz auch andere, wesentlich häufiger als SARS auftretende Lungenkrankheiten besser behandelbar zu machen. Akutes Lungenversagen ist nicht nur eine schwere Komplikation von SARS, sondern tritt etwa auch bei Infektionen mit Vogelgrippe oder Anthrax auf. Noch häufiger sind Lungenprobleme als Folge von Infektionen zu beobachten, oder auch wenn Mageninhalt in die Lunge gelangt, wie bei Patienten auf einer Intensiv-Station oder bei frühgeborenen Babies. Auch dafür könnten sich neue Therapie-Möglichkeiten ergeben, ist Penninger überzeugt. (APA)

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Nature
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