Londons Polizeichef Ian Blair

8. Juli 2005, 19:02
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Hatte Anschläge vorhergesagt - 1987 schon mit einem "U-Bahn-Desaster" konfrontiert - Als Reformer äußerst angesehen

London/Wien - Äußerst gelassen, aber keineswegs nachlässig. So präsentiert sich der Londoner Polizeichef Ian Blair (52) seinen Landsleuten und einer staunenden Weltöffentlichkeit, seit eine verheerende Anschlagsserie auf den öffentlichen Verkehr die britische Metropole am Donnerstag ins Chaos gestürzt hat. "Bleiben Sie alle, wo Sie sind", lautete seine erste Botschaft an die Londoner. Das nahezu perfekte Zusammenspiel von Polizei, Feuerwehr und Sanitätern nach den Bombenanschlägen unter seiner Ägide brachte dem erfahrenen Beamten viel Lob ein.

Seine demonstrative Ruhe hat der im Jahr 2003 von der Queen zum Ritter geschlagene Blair wohl nicht nur einer sprichwörtlich britischen "steifen Oberlippe" zu verdanken. Die Anschläge gegen U-Bahn-Züge und Autobusse waren vielmehr genau das, was der Londoner Polizeichef seit seinem Amtsantritt im Februar immer wieder prophezeit hatte. So hatte die Polizei einen Anschlag gegen die U-Bahn bereits in einer aufwändigen Übung geprobt. Verhindern konnte Blair die Anschläge aber nicht, doch hier dürfen wohl eher die Geheimdienste ausgelassen haben.

30-jährige Laufbahn

Blair, der auch einen Oxford-Studienabschluss in Englisch und Literatur hat, kann auf eine mehr als 30-jährige Laufbahn in der Londoner Polizei zurückblicken. Er begann als einfacher Streifenpolizist im hippen Innenstadtviertel Soho, wo sich viele Theater und Abendlokale befinden. 1985 wurde er zum Chefinspektor und war zwei Jahre später bereits mit einem der größten Katastrophen in der jüngeren Geschichte Londons konfrontiert. Nach dem so genannten "King's Cross Disaster" im November 1987, als bei einem Feuer in einem Fahrstuhl aus Holz in der gleichnamigen Londoner U-Bahn-Station 31 Menschen ums Leben kamen, war Blair für die Identifizierung der sterblichen Überreste zuständig.

Ende der 1980er Jahre machte er sich mit der Reform der Londoner Polizeiverwaltung einen Namen und wurde als Chefinspektor ihrer Majestät ins Innenministerium befördert. Nach einem Zwischenspiel in der Polizeiverwaltung des Thames Valley wechselte er im Februar 2000 wieder zur Londoner Stadtpolizei - diesmal als Vizechef. Zu seinen Aufgaben gehörte unter anderem der Kampf gegen Korruption sowie die Aufnahme von Polizeikräften aus den Reihen ethnischer Minderheiten, damit die Sicherheitskräfte die Multikulturalität der britischen Gesellschaft besser widerspiegeln.

Blair ist auch fachlich äußerst angesehen. Er studierte unter anderem in Los Angeles und an der Harvard High School und verfasste ein Standardwerk zum Umgang der Polizei mit Vergewaltigungsfällen. Er unterrichtet unter anderem am Internationalen Zentrum für Höhere Studien der New Yorker Universität.

Blair ist verheiratet und hat zwei minderjährige Kinder. Zu seinen Hobbys gehören Skifahren, Tennis und Theaterbesuche. (APA)

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    Ian Blair

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