Zweiter Weltkrieg: Ungarische Ordensfrau versteckte jüdische Menschen

18. Juli 2005, 13:04
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Sara Salkahazi könnte selig gesprochen werden

Budapest - Die ungarische Ordensfrau Sara Salkahazi, die während des Zweiten Weltkriegs umgebracht wurde, weil sie jüdische Menschen versteckt hatte, könnte nächstes Jahr selig gesprochen werden. Dies berichtete der scheidende ungarische Staatspräsident Ferenc Madl laut Kathpress-Meldung vom Freitag bei seinem Abschiedsempfang für die Repräsentanten der Kirchen und Religionsgemeinschaften. Salkahazi war wegen ihrer Hilfe für Juden im Dezember 1944 am Budapester Donauufer erschossen worden.

Papst Benedikt XVI. habe ihm gegenüber die Seligsprechung von Schwester Sara als möglich bezeichnet, sagte Madl, der am 1. Juli vom Papst in Audienz empfangen worden war. Der ungarische Staat werde gemeinsam mit den Kirchen und Religionsgemeinschaften ein Zentrum zum Gedenken an die Shoah errichten, kündigte Madl an.

Ordensgemeinschaft

Die Ordensgemeinschaft Sara Salkahazis ist eine der interessantesten Gründungen des 20. Jahrhunderts. Die Gründerin Margit Slachta war eine Pionierin der Sozialarbeit, sie ließ sich von der ersten großen Sozialenzyklika "Rerum novarum" inspirieren, verfasst von Papst Leo XIII. im Jahr 1891. 1920 wurde Slachta als erste Frau ins ungarische Parlament gewählt, wo sie sich aktiv für die Rechte der Arbeiter, der Frauen, Kinder und Familien einsetzte.

1923 gründete sie die Gemeinschaft der "Schwestern des Sozialen Dienstes" (SSS). Während des Zweiten Weltkriegs setzten sich die Schwestern in heroischer Weise für verfolgte jüdische Menschen ein. Nach 1945 wurde Slachta neuerlich ins Parlament gewählt; gemeinsam mit Kardinal Jozsef Mindszenty kämpfte sie gegen die schleichende Machtergreifung der Kommunisten. Die Ordensgemeinschaft ist auch in den USA und anderen Ländern verbreitet; eine Zeitlang waren die Schwestern auch in der Erzdiözese Wien tätig. (APA)

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