Mediziner: "Fettwelle rollt auf uns zu"

15. Juli 2005, 20:26
29 Postings

Präsident des Lipidforums Austriacum fordert Werbeverbot für "fettreiche Kost" - "Bauchmessband-Studie" in Salzburg präsentiert

Salzburg - Ein Werbeverbot für fettreiche Kost und Kennzeichnung durch beispielsweise einen gelben Punkt fordert der Mediziner und Präsident des Lipidforums Austriacum, Harald Kritz. "Die Fettwelle aus den USA und Großbritannien rollt jetzt auch auf uns zu, wobei dies besonders Besorgnis erregend auch schon bei den Jugendlichen festzustellen ist", wie Kritz am Freitag bei der Präsentation der "Bauchmessband-Studie" in Salzburg erklärte. Der Leiter der Studie, bei der rund 3.000 Daten ausgewertet wurden, würde sich auch einen "Fettdetektiv" wünschen.

Studienergebnisse

Für einen großen Anteil der Untersuchten ergibt sich ein deutlich erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, erläuterte Studienleiter Kritz. Die Hälfte der Untersuchten ist übergewichtig, zwölf Prozent davon sind fettleibig (adipös), weitere 35 sind übergewichtig und 46 Prozent haben vor allem am Bauch eine krankhafte Fetteinlagerung. Bei unter 20-Jährigen zeigt bereits ein Drittel eine hohe Fetteinlagerung im Bauchbereich. "Je mehr Bauchfett, desto höher die Gefahr von Blutzucker oder Herz- und Kreislauferkrankungen."

Mehr als die Hälfte der Untersuchten haben erhöhte Cholesterinwerte, mehr als ein Drittel hat mit Bluthochdruck zu kämpfen, sieben Prozent haben Diabetes bzw. einen deutlich erhöhten Blutzucker, und bei zwei Dritteln liegt zumindest ein Risikofaktor vor, so dass empfohlen wird, einen Arzt zur weiteren Abklärung und Therapie aufzusuchen.

"Salzburg misst"

Den Auftakt der Kampagne bildete die Aktion "Salzburg misst", bei der 190.000 Maßbänder an die Salzburger Bevölkerung verteilt wurden, um klar zu machen, dass eine Reduktion des Bauchumfanges um einen Zentimeter eine fünfprozentige Reduktion des Gesundheitsrisikos bedeutet. Im Anschluss wurde in allen Apotheken Salzburgs ein Vorsorgemodell etabliert, bei dem die wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Übergewicht, Bluthochdruck, Blutfetterhöhung, Zuckerkrankheit) erfasst wurden. "Die Aktion war ein voller Erfolg und sollte in ganz Österreich eingeführt werden", stellte LH Gabi Burgstaller fest. Die darauf folgende Studie sollte "Vorbildcharakter haben", sagte Burgstaller und kündigte weitere Maßnahmen an.

Wichtige Prävention

Als Erfolg der Aktion wertete Kritz, dass seit 2005 immer jüngere Menschen und mehr Männer (28 auf 40 Prozent) angesprochen wurden. Der Raucheranteil der unter 20-Jährigen ist stark rückläufig, und der Anteil der extrem Fettleibigen (Bauchumfang mit mehr als 100 und 110 cm) ist von 18 auf 13 Prozent zurückgegangen. Doch kann der Gesundheitsexperte keine Entwarnung geben: "Die Fettkrankheit mit den damit verbundenen Risiken betrifft fast jeden zweiten Österreicher."

Besonders wichtig sei aber die Prävention, stellten Burgstaller, Krietz und der Präsident der Salzburger Apothekerkammer, Friedemann Bachleitner-Hofmann, fest. Viele Kosten könnten dadurch gespart werden, die dann für andere Bereiche eingesetzt werden könnten. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.