Auswirkungen auf Konjunktur nur in Großbritannien

27. Juli 2005, 18:54
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Nach deutlichen Reaktionen auf Finanzmärkten erwarten Erste-Analysten Normalisierung der Märkte

Wien - Die Analysten der Erste Bank erwarten nach den Anschlägen in London vom Donnerstag mittelfristig eine Normalisierung der Märkte und ein baldiges Aufholen der Kursverluste. Die mittel- bis längerfristigen Auswirkungen auf die Aktienmärkte sollten sich nach aktuellem Stand in Grenzen halten, eine Abschwächung der Fundamentaldaten sei nicht zu erwarten, heißt es in einer Mitteilung vom Freitag. "Auswirkungen auf die Konjunktur sollten generell gering bleiben und nur in Großbritannien zu spüren sein", so die Analysten Rainer Singer und Alexander Sikora-Sickl.

Die Anschläge in London hatten zu deutlichen Reaktionen auf den Finanzmärkten geführt. Die Rentenmärkte konnten von dem unsicheren Umfeld profitieren und die Renditen fielen in der Spitze um 10 Basispunkte. Von den Währungen bekam das britische Pfund die Ereignisse am stärksten zu spüren, das gegenüber Dollar und stärker gegenüber dem Euro nachgab. Der Schweizer Franken konnte gegenüber dem Euro zulegen. Die CEE-Märkte litten unter der Risikoaversion und die Währungen und die Anleihenmärkte schwächten sich ab.

Auswirkungen mittelfristig nachlassen

Mittelfristig sollten die Auswirkungen der Terroranschläge auf die Märkte innerhalb der nächsten Tage, maximal jedoch innerhalb weniger Wochen nachlassen, so die Analysten, vorausgesetzt es folgen keine weiteren Attacken. Seit dem 11. September 2001 (New York und Washington) und dem 11. März 2004 (Madrid) hätten die Märkte bedauerlicherweise bereits Erfahrungen im Umgang mit Terroranschlägen sammeln können. Beide Male seien die Märkte aber relativ bald wieder zu den ursprünglichen Bewertungsniveaus zurückgekehr. Somit erscheint den Erste-Analysten eine schnellere Normalisierung der Situation derzeit möglich.

Wie bereits in anderen vergleichbaren Situationen reagierten die Aktienmärkte zunächst mit einer deutlichen Korrektur. Vor allem Aktien der Tourismusbranche, Fluglinien und Rückversicherer standen unter Abgabedruck. Die mittel- bis längerfristigen Auswirkungen auf die Aktienmärkte sollten sich jedoch nach aktuellem Stand in Grenzen halten, eine Abschwächung der Fundamentaldaten sei nicht zu erwarten. Aus diesem Grund ist laut Erste-Analysten ein baldiges Aufholen der jüngsten Kursverluste zu erwarten.

In der Vergangenheit

Ein Vergleich mit dem Anschlag in Madrid zeige, dass damals die Stimmung am Aktienmarkt bis zwei Wochen nach dem Terroranschlag negativ war und die Kurse unter Druck blieben. Insgesamt verzeichnete der EuroStoxx in diesem Zeitraum ein Minus von 6,7 Prozent. Diese Kursverluste konnten jedoch in den folgenden eineinhalb Wochen weitgehend wettgemacht werden. Der DAX verlor in den Tagen nach dem Madrider Terroranschlag 7,8 Prozent, bis Anfang April konnte jedoch auch der Deutsche Aktienmarkt die Kursverluste ausgleichen.

Das fundamentale Bild hat sich im März 2004 unmittelbar nach dem Terroranschlag von Madrid nicht eingetrübt. In der Woche nach den Anschlägen wurden die Gewinn- und Umsatzprognosen für Europas Unternehmen um 0,21 Prozent bzw. 0,14 Prozent geringfügig angehoben. Bis zum Monatsende waren bei Gewinnschätzungen Revisionen um 0,42 Prozent und bei Umsatzschätzungen um 0,55 Prozent nach oben zu verzeichnen gewesen. Von einem ähnlichen Szenario ist auch in den kommenden Wochen auszugehen. "Wir rechnen nicht mit einem Absenken des Gewinnausblickes von Seiten der Unternehmen infolge der Terroranschläge und erwarten nach einer kurzen Schwächephase ein Aufholen der Kursrückgänge innerhalb weniger Tage oder maximal Wochen." (APA)

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