Senta Berger: Keine Mauscheleien beim Deutschen Filmpreis

12. Juli 2005, 13:04
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Erstmals kürt nicht eine unabhängige Jury, sondern die Filmakademie die "Lola"-Gewinner

Berlin - Die Präsidentin der Deutschen Filmakademie, Senta Berger, hat den Vorwurf der Mauschelei und Vetternwirtschaft bei der Vergabe des Deutschen Filmpreises entschieden zurückgewiesen. "Das würde einer anderen Berufssparte vielleicht nur nach erwiesener Probe unterstellt werden können", sagte die österreichische Schauspielerin, Entertainerin und Produzentin am Freitag im Bayerischen Rundfunk. Erstmals kürt nicht eine unabhängige Jury, sondern die 2003 gegründete Filmakademie die Sieger.

Freitag Abend wird der mit 2,845 Millionen Euro höchst dotierte Kulturpreis Deutschlands - die Lola - in der Philharmonie in Berlin vergeben. Kritiker der Neuerung hatten befürchtet, dass kommerziell orientierte Produzenten mehr Einfluss auf die Wahl der Sieger gewinnen könnten und kleine, künstlerisch wertvolle Filme künftig keine Chance mehr hätten.

Neues System

Berger sagte, angesichts von 680 Akademie-Mitgliedern könne der Vorwurf der Vetternwirtschaft nicht stimmen. Mauschelei sei viel eher möglich, "wenn elf Jurymitglieder 14 Tage zusammen 20 Filme sehen", sagte sie in Anspielung auf die alte Jury. Diese hatte sich aus Politikern, Kritikern, Kirchenvertretern und Filmschaffenden zusammengesetzt. Ihr war Proporzdenken vorgeworfen worden. Das neue Verfahren soll gewährleisten, dass ausschließlich Fachleute über die Preise entscheiden.

Berger wehrte sich auch gegen Kritik, der Filmpreis sei mit knapp drei Millionen Euro staatlicher Filmförderung zu hoch dotiert. Sie verwies auf die hohen Subventionen für Opernhäuser und Theater. Film sei auch subventionswürdig: "Wenn man bedenkt, dass der gesamte Kulturetat nur 0,1 Prozent des Staatshaushaltes ausmacht, dann kann man nicht von Verschwendung von Steuergeldern sprechen", sagte sie.

Die Favoriten

Großer Favorit bei der 55. Verleihung des Filmpreises ist die Komödie "Alles auf Zucker" von Dani Levy, die in zehn der 16 Kategorien nominiert wurde. In der Königskategorie "Bester Film" konkurriert auch der Streifen "Die fetten Jahre sind vorbei" des Vorarlbergers Hans Weingartner, weiters nominiert sind "Agnes und seine Brüder", "Der neunte Tag", "Der Wald vor lauter Bäumen" und "Sophie Scholl". Weingartner ist auch für die Beste Regie nominiert.

Chancen auf die Lola für die beste Schauspielerin dürfen sich Hannelore Elsner "(Alles auf Zucker"), Julia Jentsch ("Sophie Scholl") und Jessica Schwarz ("Kammerflimmern") ausrechnen. Bei den Männern gehen August Diehl ("Der neunte Tag"), Ulrich Matthes ("Der neunte Tag"), Henry Hübchen "Alles auf Zucker") und Bruno Ganz ("Der Untergang") ins Rennen. Regisseur Reinhard Hauff ("Stammheim") soll den Ehrenpreis für seine Verdienste um den deutschen Film erhalten.

Kulturstaatsministerin Christina Weiss soll die goldenen Lolas vor 2.200 Gästen überreichen. Die Geschichte des Deutschen Filmpreises begann 1951. Damals räumte der Kästner-Klassiker "Das doppelte Lottchen" in allen Kategorien ab. Seitdem wird der Preis jährlich vergeben. Die Preisgelder sind zweckgebunden für neue Produktionen.(APA/AP)

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    "Lola" wartet auf Begleitung

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