Fahndung läuft auf Hochtouren

8. Juli 2005, 19:43
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Polizei: Mehrere Täter, keine Hinweise auf deren Verbleib - Noch kein Beweis, dass Bomben von Selbstmordattentätern gezündet wurden - "Handschrift von El Kaida", aber Ermittlungen in alle Richtungen - "New York Times": Zeitzünder verwendet

London - Nach den verheerenden Terroranschlägen wird in London mit Hochdruck nach den Tätern gefahndet. Nach Einschätzung der Londoner Polizei hat mehr als eine Person die Anschläge am Donnerstag ausgeführt. Über das Schicksal der Verantwortlichen herrscht Unklarheit. Die Terroristen könnten sich weiter in Großbritannien oder im Ausland aufhalten bzw. tot sein, meinte Polizeisprecher Ian Blair.

Der Londoner Bürgermeister Ken Livingstone erklärte: "Wir wussten, dass dies eines Tages passieren wird. Alles, was wir geplant haben, um dieser Herausforderung zu begegnen, hat wie vorgesehen funktioniert." Livingstone lobte in diesem Zusammenhang die Wirksamkeit des Einsatzes der Hilfskräfte. Es werde nie ein Land geben, das sicher sei, fügte er hinzu.

Keine Hinweise auf Selbstmordattentäter

Bislang gebe es keine Hinweise darauf, dass die Sprengsätze durch Selbstmordattentäter gezündet worden seien, sagte Blair zuvor. Es werde aber keine Möglichkeit ausgeschlossen. Die Polizei sei fest entschlossen, die Verantwortlichen für die Tat zu fassen.

Erst am Anfang einer schwierigen Untersuchung

Die Attentate würden die Handschrift des Terrornetzwerks El Kaida tragen, fügte Blair hinzu. Zugleich wies er die These von einem Selbstmordanschlag zurück. "Absolut nichts lässt die Variante eines Selbstmordattentats vermuten", sagte Blair. "Aber wir sind erst am Anfang einer sehr schwierigen und langen Untersuchung, und bislang weiß ich von keinen konkreten Ergebnissen."

Noch nicht vorgedrungen

Bis zum frühen Nachmittag war es der Polizei noch nicht gelungen, bis zu den letzten U-Bahn-Waggons vorzudringen, die durch die Anschläge zerstört worden sind. Für die Bergungshelfer sei die Situation in dem U-Bahn-Tunnel zwischen den Stationen King's Cross und Russel Square schwierig und gefährlich, sagte ein Sprecher der Einsatzkräfte. Sie arbeiteten unter extremen Bedingungen. Bei dem Anschlag in einer U-Bahn zwischen den beiden Stationen wurden mindestens 21 Menschen getötet. Polizeichef Blair versicherte aber, dass keine Verletzten in den U-Bahn-Schächten zurückgelassen worden seien. Mit Hilfe der Feuerwehr und der Sanitätsdienste seien alle Überlebenden geborgen worden.

Nach einem Bericht der "New York Times" waren die die Bomben in drei U-Bahnen und einem Bus durch Zeitzünder zur Explosion gebracht worden. Der Sprengsatz in einem Doppeldeckerbus sei möglicherweise für ein anderes Ziel bestimmt gewesen, berichtete die Zeitung am Freitag ohne Nennung von Quellen weiter.

Innenminister: Ermittlungen in alle Richtungen

Der britische Innenminister Charles Clarke hat am Freitag vor weiteren Anschlägen in London gewarnt. Die Terroristen könnten abermals zuschlagen. "Wir müssen das Risiko eines weiteren Anschlags ernst nehmen. Deswegen setzen wir alles daran, die Täter zu finden", sagte er der BBC.

Die Polizei habe noch nicht ausgeschlossen, dass die Anschläge von Selbstmordattentätern verübt worden seien, sagte Clarke. Großbritannien nimmt das im Internet veröffentlichte Bekennerschreiben einer vermutlich islamistischen Gruppierung ernst, schließt andere Hintergründe der Bombenanschläge vom Donnerstag aber nicht völlig aus.

"Das Bekenntnis im Internet ist ernst zu nehmen", sagte Clarke am Freitag im Fernsehen. "Wir werden es sehr genau untersuchen", fügte er hinzu. "Aber wir haben alternative Erklärungen nicht ausgeschlossen." Es werde in alle Richtungen ermittelt.

Blair: Islamistische Extremisten hinter Anschlägen

Premierminister Tony Blair appellierte an die Briten, sich vom Terror nicht einschüchtern zu lassen. Er sieht islamistische Extremisten hinter den Bluttaten. "Wir wissen, dass die Leute, die hinter diesen Anschlägen stecken, behaupten, im Namen des Islam zu handeln", sagte Blair am Abend im Fernsehen. (APA/dpa/AP)

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    Der zerstörte Bus wird untersucht

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    Das erste Bild einer durch die Anschläge zerstörten U-Bahn-Garnitur

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