"Österreich ist eine gefestigte Demokratie"

11. Juli 2005, 16:37
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Großes Verdienstzeichen für George Wozaseks Engagement gegen Antisemitismus - Ist seit 25 Jahren Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Linz

Linz - Sein Leben stehe eigentlich auf drei Pfeilern: Beruf, Sport und Kunst. Doch dabei sei es nicht geblieben. In den 60er-Jahren kam ein "weiteres Element" hinzu, sagt George Wozasek: "Meine Funktion in der israelitischen Kultusgemeinde."

Seitdem versuche er "das Judentum der Gesellschaft vorzustellen" - aus zweierlei Gründen. So will der aus Österreich geflohene Jude die "Fehlinterpretation in der Bevölkerung", dass seiner Religion etwas "Mystisches" anhafte, korrigieren. Und der heute 80-Jährige versteht sich als "politischer Mensch", der gegen Antisemitismus und für Israel auftreten müsse. Für sein Engagement erhält Wozasek heute, Freitag, in Linz das Große Ehrenzeichen für die Verdienste um die Republik Österreich.

Im Frühjahr 1939 brachten die Eltern den damals 13-jährigen George außer Landes. Wie ernst die Situation war, wurde dem jüdischen Kind am 14. März jenes Jahres bewusst: "Kein Schüler hat auf einmal mit mir auch nur ein einziges Wort gesprochen." Mit einem Kindertransport der Familie Rothschild kam er nach Frankreich. "Meine Eltern haben Gott sei Dank am 11. November noch ein Visum nach Amerika erhalten", 1940 kam der gebürtige Wiener auch nach New York.

Als Diplomingenieur kehrte George Wozasek 1951 nach Österreich zurück und machte hier Karriere in der Papierindustrie. Als Generaldirektor der Neusiedler Papierfabrik ging er 1992 in Pension.

Warum er ausgerechnet in jenes Land zurückging, aus dem er in der NS-Zeit vertrieben worden war? "Für mich ist jeder Mensch gleich." Zudem glaubt er, dass Österreich eine "gefestigte Demokratie" besitzt. Aus seiner Sicht das beste Schutzschild gegen Antisemitismus, das auch solche Geschichtszweifler wie John Gudenus abwehren könne.

Seit 25 Jahren ist der gläubige Jude Präsident der israelitischen Kultusgemeinde in Linz, hält noch immer Vorträge an Schulen, um den kulturellen Austausch zu fördern. Eine seiner wichtigsten Errungenschaften: Wozasek baute die zerstörte Synagoge in Linz mit auf.

"Ich freu mich, dass die Umgebung versteht, dass ich versuche, etwas weiterzubringen", kommentiert Wozasek die Überreichung des großen Ehrenzeichens der Republik Österreich durch den oberösterreichischen Landeshauptmann Josef Pühringer. (ker/DER STANDARD, Printausgabe, 8.7.2005)

von Kerstin Scheller
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