Druck auf Siemens wegen VA Tech steigt

13. Juli 2005, 10:23
4 Postings

Knapp eine Woche vor dem EU-Kartellentscheid zur VA-Tech-Übernahme durch Siemens bringen sich die Interessenten in Stellung

Wien - Knapp eine Woche vor dem EU-Kartellentscheid zur VA-Tech-Übernahme durch Siemens bringen sich die Interessenten in Stellung. Die Cross Industries der KTM-Chefs Stefan Pierer und Rudolf Knünz hat am Donnerstag zehn Prozent der Gerling-Versicherung am Mittelstandsfinanzierer UIAG übernommen. Weitere 15 Prozent sind paktiert, dann sind Pierer und Knünz UIAG-Kernaktionär.

"Wir sind jetzt ein Finanzfonds mit einem Industriepartner", freut sich UIAG-Chef Kurt Stiassny, "das ist eine gute Kombination." Anlass für den Einstieg sei aber nicht ein möglicher Kauf von VA Tech Hydro. Daher wolle er dazu auch nichts sagen. In Siemens-Kreisen heißt es indes, die UIAG werde mit 25 Prozent an dem rund um Herbert Paierl versammelten Konsortium beteiligt sein.

Entgegen anders lautenden Gerüchten nicht mit von der Partie sind laut Insidern Berndorf-Eigner Norbert Zimmermann, Andritz-Chef Wolfgang Leitner, Die Steiermärkische oder eine der steirischen Landesbeteiligungsholdings. "Die Lust, mitzumachen, ist bei vielen im Abreifen", sagt ein mit der Materie Vertrauter.

Übernahme veritabler Wahlkampfschlager

Die VA-Tech-Übernahme selbst hat indes das Zeug, ein veritabler Wahlkampfschlager für die steirische Landtagswahl zu werden. Der Verkauf der Division Energieerzeugung (Hydro), zum dem Siemens von der EU binnen acht Monaten verdonnert wird, betrifft vordringlich den Standort Weiz und wird, so wie es aussieht, eher nicht reibungslos über die Bühne gehen. Was für Nervosität sorgt, stehen doch 1200 Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Auch die zum "Hydro-Retter" hochstilisierte Investorengruppe um Cross Industries. UIAG und Herbert Paierl wird allmählich unrund. Zu viele Unsicherheiten seien aufgetaucht, allen voran die notwendigen Haftungen und Garantien im Volumen von 1,8 Milliarden Euro, heißt es. "Siemens wird davon wohl einiges übernehmen müssen, zumindest in der Anfangsphase, sonst wird es eng."

Verkaufsabwicklung

Unklar ist auch, wer den Verkauf tatsächlich abwickeln wird, das Siemens-Stammhaus in München oder doch die Österreich-Tochter. Als Investmentbank, die den Verkauf organisieren soll, wurde dem Vernehmen nach bereits die BA-CA ausgesucht. Was insofern originell wäre, als diese ja einer der großen Gläubiger der VA Tech ist.

Die Zeit jedenfalls drängt, denn der Hydro-Sparte schwimmen langsam die Felle davon. Noch hält VA-Tech-Partner General Electric (GE), für den die Weizer Turbogeneratoren produzieren und dessen Gasturbinen in ihre Gas-Kombi-Kraftwerke einbauen, "on hold", ist also in Warteposition. Heißt aber, dass von dort keine Aufträge mehr hereinkommen was sich wohl mit einem kräftigen Minus in der Hydro-Bilanz zu Buche schlagen wird. Die Hydro verliere "täglich enorme Summen", heißt es in Tech-Kreisen. (Luise Ungerboeck, Walter Müller, DER STANDARD, Print Ausgabe, 08.07.2005)

  • Artikelbild
    foto: standard/rubra
Share if you care.