Tirol: Sonnenbrücke soll Rattenberg erleuchten

9. Juli 2005, 17:09
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Spektakuläres Spiegelprojekt des Lichtpioniers Christian Bartenbach verbannt Dunkelheit aus malerischer Altstadt

In der Tiroler Gemeinde Rattenberg fällt im Winter kein Sonnenstrahl auf die malerischen Fassaden der mittelalterlichen Altstadt. Bewohner leiden darunter. Ein spektakuläres Spiegelprojekt des Lichtpioniers Christian Bartenbach könnte die Dunkelheit verbannen.

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Rattenberg - Im Sommer ist Rattenberg eine Attraktion. Das bestens erhaltene mittelalterliche Stadtbild lockt hunderte Tagestouristen in Österreichs kleinste Stadt, einem Zentrum der Glasveredelung seit 300 Jahren. Dass es hier auch düster sein kann, monatelang, ist zu dieser Jahreszeit nicht zu erahnen.

Auf einem elf Hektar großen Streifen, strategisch gut geschützt, liegt der Tiroler Ort eingezwängt zwischen Inn und dem Burgberg - im Winter aber lange in dessen Schatten. Von Allerheiligen bis Anfang Februar fällt kein Sonnenstrahl auf die malerischen Fassaden, erst ab Lichtmess lässt sich die Sonne wieder blicken. Die fehlende Wintersonne, das hat eine Umfrage ergeben, schlägt aufs Gemüt. Manche ziehen deshalb weg. Etwa nach Kramsach, auf die sonnige Innseite gegenüber.

Von dort aus könnte Rattenberg nun auch im Winter besonnt werden - ein spektakuläres Projekt des Tiroler Lichtpioniers Christian Bartenbach. Dem 74-jährigen Seniorchef des renommierten Lichtunternehmens in Aldrans bei Innsbruck, von dem 90 Prozent der Beleuchtungstechniken für Gebäude stammen sollen, kam die kühne Idee beim Spaziergang vor Ort.

Beweglicher Reflektor

In Kramsach, erzählt Markus Peskoller, Geschäftsführer von Bartenbach LichtLabor, soll das Sonnenlicht mit etwa 30 Spiegeln, Heliostaten von 2,5 Meter Durchmesser, eingefangen und von dort auf den Rattenberger Burgberg geschickt werden. Die alte Festung soll dann durch eine zweite Spiegelung künftig auch Licht, nicht mehr nur Schatten spenden: Mit beweglichen Aluminiumreflektoren mit einer Gesamtfläche von 17 mal 17 Meter würde das Licht auf ausgewählte Teile der Altstadt gelenkt. Die Spiegel wie die Reflektoren könnten in Gebäude integriert werden.

Die kürzlich fertig gestellte Machbarkeitsstudie wurde von Studierenden der Lichtakademie Bartenbach erstellt, einem postuniversitären Lehrgang, der seit Herbst 2003 am Unternehmenssitz in Aldrans in Kooperation mit der Uni Innsbruck angeboten wird. "Bis Jahresende wollen wir die Prototypen entwickelt haben", sagt Peskoller.

Sehr nützlich für das Rattenberger Projekt waren laut Peskoller jüngste Erfahrungen, die Bartenbach in Mekka gemacht hat. Dort, nahe der Moschee, werden die Tiroler Lichtspezialisten im Auftrag der Saudi Bin Laden Group den größten Wolkenkratzer der Region beleuchten: ein 464 Meter hohes Pilgerhotel mit Shopping-Zentrum. An der Spitze des Hochhauses wird das Sonnenlicht gebündelt und durch große Lichthöfe nach unten geschickt.

Noch fehlt aber für die Sonnenlichtbrücke der Auftrag der Gemeinde. "Ohne Geld ist es nicht leicht, euphorisch zu sein", sagt Bürgermeister Franz Wurzenrainer.

Kosten: Zwei Millionen

Zwei Millionen Euro kosten die Sonnenstrahlen. Bartenbach würde eine Million Entwicklungskosten selbst finanzieren, auch mit Forschungsgeld. Woher die zweite Millionen kommen soll, ist aber noch völlig offen. Wurzenrainer sieht auch noch andere dunkle Wolken aufziehen. Das Justizministerium will das Bezirksgericht schließen, das Postamt wäre dann wohl auch nicht mehr zu halten. Noch werden Protestunterschriften gesammelt. "Wir klammern uns an jeden Strohhalm", sagt der Bürgermeister. (Benedikt Sauer, DER STANDARD - Printausgabe, 8. Juli 2005)

  • Einleuchtendes Modell von Rattenberg. Mit Reflektoren könnten die per Spiegel gebündelten Sonnenstrahlen die dunkle Altstadt zum Strahlen bringen.
    foto: peter bartenbach

    Einleuchtendes Modell von Rattenberg. Mit Reflektoren könnten die per Spiegel gebündelten Sonnenstrahlen die dunkle Altstadt zum Strahlen bringen.

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