Goldene Zeiten für Vermieter

21. Juli 2005, 11:42
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Sozialbau erwartet weiter steigende Mieten - sie werden zwar nicht um zehn Prozent, aber über der Inflationsrate steigen

Wien - Sozialbau-Chef Herbert Ludl, der das größte gemeinnützige Wohnungsunternehmen Österreichs leitet, rechnet damit, dass die Mieten auch in den nächsten fünf Jahren steigen. Die Begründung: "Das Segment der reinen Mietwohnungen kommt immer mehr in die Hände professioneller Portfolio-Manager, die immer mehr aus dem Bestand herausholen müssen. Damit sind Mietsteigerungen vorprogrammiert - und zwar über der Inflationsrate", sagte Ludl am Donnerstag.

Weil die Nachfrage nach Zinshäusern sehr groß ist, steigen auch die Preise. Werden die Häuser dann noch saniert, fallen sie oft aus der gesetzlichen Mietzinsreglung heraus und können frei vermietet werden; häufig verdoppeln sich die Mieten nach einer Wohnhaussanierung. Die Statistik Austria belegt das: Von 1991 bis 2002 stieg die Zahl der Kategorie-A-Wohnungen von zwei Mio. auf knapp drei Mio.

Mietobergrenzen einhalten

Im Unterschied zu den privaten Hausbesitzern halten sich die Gemeinnützigen ungeachtet der Investitionen und Sanierungen an die Mietobergrenzen, sagte Ludl. Die Gemeinnützigen seien jedenfalls nicht Schuld an den steigenden Mietkosten, die monatlich die Inflation treiben. So liegt die Durchschnittsmiete bei der Sozialbau noch bei 2,68 / m², ein Plus von sechs Cent im Jahresvergleich. Selbst die Betriebskosten kletterten im Vorjahr nur um 0,92 Prozent. Bei Neubauten beträgt die Durchschnittsmiete bei der Sozialbau bereits sieben /m². Nächstes Jahr wird der Preis auf acht /m² klettern, prophezeit der Sozialbau-Chef und begründet das mit den hohen Grundkosten. Zum Vergleich: Die Durchschnittsmiete im privaten Zinshaus liegt bei acht bis zehn /m².

Auf eine leer werdende Wohnung kommen bei der Sozialbau zehn Interessenten - bei insgesamt 48.000 Vormerkungen. Die Mieterstruktur teilt sich in Junge, die von zu Haus ausziehen, und Zuwanderer (nicht nur Ausländer, sondern Personen mit Migrationshintergrund). Massive Nachfrage gibt es durch Geschiedene, die sofort eine kleine Wohnung brauchen, und von Personen, die ihre Wohnung nicht aufgeben wollen, obwohl sie eine Beziehung haben, schildert Ludl.

Keine Leerstände

Die Sozialbau AG, deren größter Aktionär der Verband der Wiener Arbeiterheime ist, hatte im Vorjahr insgesamt 44.662 Wohnungen in Verwaltung und 1552 neue Wohnungen in Bau. 3967 Wohnungen befanden sich in Sanierung (Volumen: 25 Mio. ). Leerstände gab es keine. Außerdem werden 463 Geschäftslokale und 23.624 Kfz-Parkplätze betreut.

In der AG blieb der Umsatz mit 31,8 Millionen konstant. Gemeinsam mit den Konzerntöchtern Neuland und Urbanbau wurden 54 Millionen umgesetzt. Das Jahresergebnis fiel mit 3,1 Millionen geringer aus, einen leichten Rückgang gab es mit 8,6 Millionen auch beim Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print Ausgabe, 08.07.2005)

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