Der LASK, ein schlafender Riese

15. Juli 2005, 09:01
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Präsident Peter-Michael Reichel sieht seinen Klub hinter Rapid als zweite Marke in österreichs Fußball - Politische Unterstützung fehlt

Linz/Wien - Peter-Michael Reichel hält den LASK für einen "absoluten Kultklub". Für die zweite Marke im österreichischen Fußball, "gleich hinter Rapid". Der Verein sei ein "schlafender Riese, der geweckt werden muss", und die "oberösterreichische Nationalmannschaft". Diese und weitere Einschätzungen stehen Reichel natürlich zu, ist er doch Präsident des LASK.

Es ist übrigens genau 40 Jahre her, als die Linzer in der obersten Klasse Landesmeister wurden. Als erster Verein, der nicht aus der Hauptstadt Wien stammte. "Seither sind wir zum Siegen verdammt", sagte Reichel gestern, also am Tag vor Beginn der Red Zac Liga. Der LASK startet am Freitag daheim gegen Kapfenberg, 5000 Zuschauer werden erwartet. "Die Wiener Austria hat auch nicht mehr."

Reichel rettete den Klub im Jahr 2000 vor der Auflösung, der damalige Boss hieß Wolfgang Rieger, ein Banker, der mit den Millionen von Kunden abhaute und deshalb wegen Betrug einsaß. "Vor dem sportlichen Abstieg konnte ich den LASK nicht mehr retten." Seit 2001 ist man konsequent zweitklassig.

Oberösterreich ist im heimischen Profifußball massiv vertreten, ganz oben kicken Pasching und Ried, eine Stufe drunter Schwanenstadt und eben der LASK. Nur die Steiermark ist quantitativ überlegen (Sturm, GAK sowie Kapfenberg, Leoben und Gratkorn). Reichel hält zwei Profiligen "für einen Größenwahn. Es gibt in Österreich maximal 14 bis 16 Standorte. Nicht 20."

In Linz fehle der wirtschaftspolitische Schulterschluss. "Es gibt nur vage Bekenntnisse", so Reichel. "Fußball ohne Politik spielt es halt nicht. Rapid bekommt von Wien Energie Geld, FC Kärnten von der Kelag." Die Stadt habe es verabsäumt, auf den EM-Zug aufzuspringen. "Man hätte sich erstens das Theater um Klagenfurt erspart, und zweitens hätten Linz und der LASK ein anständiges Stadion." Immerhin konnte das Budget dank eines Wirtschaftskonsortiums um eine Million Euro auf 3,5 Millionen aufgestockt werden. Hauptsponsor gibt es keinen. "Unsere Dressen sind so nackt wie jene von Barcelona. Nur geschieht das bei uns nicht freiwillig. Aber wir sind auf dem Weg der Konsolidierung."

Der LASK wird als Aufstiegsfavorit gehandelt, das hat nicht zuletzt mit der Verpflichtung von Ivica Vastic zu tun. Reichel hatte seinen Trainer Werner Gregoritsch gefragt, ob es Sinn mache, den 35-jährigen Teamspieler anzusprechen. Gregoritsch sagte im Scherz: "Versuchen schadet nie." Der Präsident erwischte "für den Spaß den idealen Zeitpunkt", Vastic war gerade auf die Austria angefressen und anfällig für eine Abwechslung, einen Neubeginn, ein Abenteuer. Er unterschrieb bis 2008. Reichel: "Er verdient hier nur einen Bruchteil. Vastic ist fast unterstützendes Mitglied. Eine schöne Form von Schulterschluss." (Christian Hackl - DER STANDARD PRINTAUSGABE 8.7. 2005)

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