G-8 zeigen "eisernen Willen" im Kampf gegen Terror

14. Juli 2005, 12:56
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Blair: "Unsere Entschlossenheit ist größer als ihre Entschlossenheit, Menschen in Tod und Zerstörung zu stürzen"

Der Schock steht Tony Blair ins Gesicht geschrieben, als er am Mittag im Golfhotel Gleneagles vor die Presse tritt. Selten hat man ihn so gespannt, so erschüttert gesehen. Ein unglaublich scharfer Kontrast. Keine 24 Stunden vorher hatte der britische Premier, außer sich vor Freude, weil London Olympia 2012 ausrichten darf, noch in Jubelpose die Faust in die Luft gestoßen und gelacht wie ein kleiner Bub.

Es sei hinreichend klar, sagt Blair mit düsterer Miene, dass Terroristen die Bomben mit Absicht genau in dem Augenblick hochgehen ließen, da in Gleneagles der G-8-Gipfel tage. "Es ist wichtig, dass jene, die in den Terrorismus verwickelt sind, begreifen: Unsere Entschlossenheit, unsere Werte zu verteidigen und unsere Lebensweise, ist größer als ihre Entschlossenheit, unschuldige Menschen in Tod und Zerstörung zu stürzen. Was immer sie tun, wir sind entschlossen, dafür zu sorgen, dass es ihnen niemals gelingen wird, das zu zerstören, was uns in diesem Land und in anderen zivilisierten Nationen wertvoll ist."

Problem der Armut

Es sei besonders barbarisch, dass dies an einem Tag passiere, an dem sich die Politiker der Welt träfen, um zu versuchen, das Problem der Armut in Afrika zu lösen.

Unmittelbar nach seiner Erklärung stellt sich der britische Regierungschef zusammen mit allen in Schottland versammelten Regierungschefs zu einem Gruppenfoto auf. Es soll eine Demonstration sein, dass angesichts einer solchen schrecklichen Bluttat alle Differenzen verblassen. Danach fliegt er nach London, um dort die Leitung eines Krisenstabs zu übernehmen. Abends, lässt er ausrichten, wolle er wieder nach Schottland zurückkehren. Alle G-8-Regierungen, so Blair, wollten, dass ihre Beratungen in Gleneagles weitergehen. "Jedes Land, das hier am Tisch sitzt, hat eigene Erfahrungen mit den Folgen des Terrors. Jedes teilt unseren bedingungslosen Willen, den Terrorismus zu besiegen."

Viele, die sonst in der Themsestadt auf der Bühne stehen, auf der politischen oder auch auf der eines Rockkonzerts, sind am Morgen, als die Nachrichtensender erste Blitzmeldungen über die Anschläge einblenden, gerade mit Sonderbussen in Gleneagles, dem abgeschiedenen Konferenzort, eingetroffen. Unter ihnen Prominente wie der deutsche Rockstar Herbert Grönemeyer. Er lebt seit Jahren mit seiner Familie im Norden Londons. "Meine erste Frage war: Wo sind die Kinder?" Doch dann fiel ihm ein, dass alle drei gerade nicht in London, sondern in den Ferien in Berlin und Zürich sind.

Schlimmste Situation

Ja, sagt der Sänger, er habe öfters die schlimmsten Situationen durchgespielt, das tue man eben, gerade, wenn man mit Kindern in so einer Riesenstadt lebe. Aber hartnäckig habe sich die Theorie gehalten, dass London nur das letzte Ziel von Fanatikern sein könne - auch weil dort, vor allem im Sommer, zehntausende Besucher aus der arabischen Welt lebten, um der Hitze in ihrer Heimat zu entfliehen.

Dazu die Ruhe der Briten: Die hätten zwar auch immer Angst vor Bomben gehabt, aber eben nie öffentlich darüber geredet, das habe immer den Eindruck erweckt, sie seien stoisch gelassen. Die Attacken holten nun alle in die Realität zurück, "sie werden die Stadt extrem aufscheuchen". Ob man an so einem Tag noch über Afrika reden kann? Ja, antwortet Grönemeyer, so schlimm das Geschehene sei, "was täglich in Afrika passiert, ist ein stiller Tsunami. Jeden Tag, an dem man dort was verbessert, gewinnt man Menschenleben."

"Krieg geht weiter"

Gerhard Schröder, der deutsche Kanzler, betont, es sei richtig, den Weltwirtschaftsgipfel fortzusetzen. "Die Überwindung von Hunger und Armut und die Erhaltung und Sicherung einer lebenswerten Umwelt sind die zentralen globalen Aufgaben unserer Zeit. Wir sind entschlossen, diese Herausforderungen zu meistern. Feige terroristische Attacken dürfen uns nicht daran hindern."

Man werde die Terroristen finden und vor Gericht bringen, sagt seinerseits der amerikanische Präsident George Bush. "Der Krieg gegen den Terror geht weiter." Den Menschen in London gelte sein Mitleid, er begrüße die Entschlossenheit von Tony Blair, den Terror zu bekämpfen.

Hinter den Kulissen schildert Béla Anda, Schröders Regierungssprecher, wie die Konferenz die Hiobsbotschaften aufnahm. Morgens um zehn, als die G-8 ihre erste Arbeitssitzung begannen, war es noch business as usual. Blair deutet an, es sei ein Unglück passiert, eventuell sei es ein Stromausfall. Erst nach und nach kristallisiert sich heraus, dass es mehr sein muss als eine technische Panne. Er müsse um zwölf Uhr vor die Presse, teilt Blair plötzlich seinen Kollegen mit.

Diplomaten, die derzeit scharenweise im Gipfel-"Außendienst" im schottischen Hochmoor sind, versuchen hektisch, mit ihren Familien in London Kontakt aufzunehmen. Opulente Essen mit Rotwein werden für den Abend schnell abgesagt. "Das gehört sich nicht an so einem Tag", sagt Anda. (DER STANDARD, Printausgabe, 8.7.2005)

Von Frank Herrmann aus Gleneagles
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    Schock beim Gipfeltreffen: Großbritanniens Premier Tony Blair (rechts)demonstriert Entschlossenheit im Kampf gegen den Terrorismus. Hinter ihm (von links nach rechts): Deutschlands Kanzler Gerhard Schröder, EU-Kommissions­präsident Jose Manuel Barroso, Chinas Staatschef Hu Jintao, Südafrikas Präsident Thabo Mbeki sowie US-Präsident George W. Bush.

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