EZB: Kein Grund Zinsen zu senken

27. Juli 2005, 18:54
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Der entscheidende Leitzins bleibt erwartungsgemäß bei 2,0 Prozent - Forderungen nach Zinssenkung wies EZB-Präsident Trichet neuerlich zurück

Frankfurt - Die Europäische Zentralbank (EZB) lockert die Zinszügel weiterhin nicht: Der entscheidende Leitzins bleibt erwartungsgemäß bei 2,0 Prozent. Forderungen nach einer Zinssenkung zur Stimulierung der lahmenden Konjunktur im Euroraum wies EZB-Präsident Jean-Claude Trichet wie stets in den letzten Monaten auch am Donnerstag nach einer Ratssitzung in Frankfurt am Main kategorisch zurück. Zugleich zeigte er sich zuversichtlich, dass die Terroranschläge in London "keine bedeutenden Auswirkungen" auf die Konjunktur haben würden.

Die EZB habe die Reaktion der Finanzmärkte nach den Anschlägen mit höchster Wach- und Aufmerksamkeit beobachtet und sofort Kontakt zu den Notenbanken in Großbritannien und den USA aufgenommen, berichtete Trichet. Grund zum Eingreifen habe es aber keinen gegeben. "Die Märkte haben weiter korrekt funktioniert", sagte er. Falls es notwendig gewesen wäre, wäre die EZB in der Lage, "in Real-Time zu reagieren", so wie es damals bei den Anschlägen am 11. September 2001 in den USA geboten gewesen sei.

Mittelfristig Preisstabilität garantieren

Trichet bekräftigte, die Zinsen seien auf angemessenem Niveau, um mittelfristig Preisstabilität zu garantieren. Dies zu gewährleisten, sei die Hauptaufgabe der EZB. Besonders mit Blick auf die Deutschen erklärte er, die Zinsen seien auf dem niedrigsten Stand seit Bismarcks Zeiten. Im übrigen müsse die EZB die Situation im gesamten Euroraum im Auge behalten und nicht nur in einem Staat. Er könne sich nicht vorstellen, dass die Bundesbank eine andere Zinspolitik verfolgen würde.

Auch auf die Frage nach Reaktionen auf eine eventuelle Erhöhung der Mehrwertsteuer in Deutschland und deren Auswirkungen auf die Inflation demonstrierte Europas oberster Währungshüter Gelassenheit: "Mit so etwas hatten wir schon öfters zu tun", erklärte er. Zugleich rief der EZB-Präsident die Regierungen im Euroraum zu Strukturreformen auf, um die Wirtschaft "dynamischer und wettbewerbsfähiger" zu machen.(APA/AP)

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