6. Etappe: Drama um Mengin

28. Juni 2006, 17:11
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Ausreißer kam am Donnerstag in letzter Kurve vor dem Ziel zu Fall und löste Massen­sturz aus - Etappe ging an Italiener Bernucci

Nancy - Der Italiener Lorenzo Bernucci hat am Donnerstag die 6. Etappe der Tour de France gewonnen. Der Außenseiter vom Rad-Team Fassa Bortolo profitierte auf dem Teilstück über 199 km von Troyes nach Nancy von einem Massensturz in der letzten Kurve. Als erster ging auf regennasser Straße der zu diesem Zeitpunkt noch führende Ausreißer Christophe Mengin zu Boden. Der unglückliche Franzose war bereits bei Kilometer 23 ausgerissen und hatte sich später auch von seinen Fluchtgefährten abgesetzt.

Nach Mengin rutschten auch noch weitere Fahrer in der letzten Kurve vor der Zielgeraden in die Streckenbegrenzung. Der Kasache Alexander Winokurow (T-Mobile) konnte einen Sturz mit Mühe vermeiden und wurde vor Robert Förster (Gerolsteiner) mit drei Sekunden Rückstand Zweiter. Bernucci wurde aus dem Nichts an die Spitze gespült und jubelte über den mit Abstand größten Erfolg seiner Karriere. Gerrit Glomser von Lampre-Caffita belegte als bester Österreicher Rang neun. Es war bereits der fünfte Top-Ten-Platz eines Österreichers bei dieser Tour nach einem zweiten und einem siebenten Rang von Peter Wrolich sowie einem vierten und einem siebenten durch Bernhard Eisel. Gemeinsam rollten die Meistersprinter Tom Boonen und Robbie McEwen gemütlich diskutierend über die Ziellinie. Sie konnten ihre Kunst heute nicht zeigen. "Das war heute Zeitverschwendung", meinte der Australier. "Ein paar von den Burschen wollten zu schnell um die Kurve und haben alle anderen mitgerissen."

Wrolich angeschlagen

Wrolich rollte nur als 133. ins Ziel, er kämpfte mit gesundheitlichen Problemen: "Seit zwei Tagen schlage ich mich mit Magenproblemen herum. Ich kann fast nix essen. Vor allem bei so einer Etappe ist das ganz schlimm, da dir die Kälte und der Regen viel Energie nimmt." Der Kärntner hatte auf der letzten Bergwertung Anschluss ans Hauptfeld verloren: "Ich musste abreißen lassen, die Kraft hat völlig gefehlt. Ich hoffe, mein körperlicher Zustand bessert sich über Nacht."

Tränen bei Mengin

Lance Armstrong kam nach einer Fahrzeit von 4:13 Stunden mit den in mehrere Gruppen zersplitterten Hauptfeld als 19. ins Ziel und behält das Gelbe Trikot. Er war in den Sturz nicht verwickelt. Mengin wurde die Auszeichnung für den kämpferischsten Fahrer des Tages zugesprochen, wohl ein schwacher Trost. Er trug von seinem Crash ein stark geschwollenes Auge davon und weinte im Ziel bitterlich. Teamkollege Eisel musste abbremsen, kam aber nicht zu Sturz: "Es ist für Christophe sehr bitter. Den Sieg heute hätte ihm jeder gegönnt. Er befand sich rund 180 Kilometer in einer Spitzengruppe und dann rutscht er in der letzten Kurve weg."

Winokurow machte inklusive Zeitgutschrift 19 Sekunden auf Armstrong gut, liegt jetzt im Gesamtklassement hinter Armstrong-Teamkollegen und -Landsmann George Hincapie (+55 Sekunden) auf Rang drei nur noch 1:02 Minuten hinter dem Titelverteidiger. Dafür war eine Jury-Entscheidung nötig, die die Folgen des Sturzes in Rechnung stellte. "Wäre ich in der Kurve nicht aus der Pedale gerutscht, hätte ich gewonnen", sagte der Kasache, der vor dem Unfall etwa zehn Meter hinter Mengin.

Vor dem Start zur siebenten Etappe am Freitag in Luneville wird in einer Schweigeminute den Opfern der Terroranschläge am Donnerstag in London gedacht. (red/APA)

RESULTAT 6. Etappe, 199 km von Troyes nach Nancy: 1. Lorenzo Bernucci (ITA/Fassa Bortolo) 4:12:52 Stunden - 2. Alexander Winokurow (KZK/T-Mobile) gleiche Zeit - 3. Robert Förster (GER/Gerolsteiner) +7 Sekunden - 4. Angelo Furlan (ITA/Domina Vacanze) - 5. Thor Hushovd (NOR/Credit Agricole) - 6. Kim Kirchen (LUX/Fassa Bortolo) - 7. Gianluca Bortolami (ITA/Lampre-Caffita) - 8. Egoi Martinez (ESP/Euskaltel) - 9. Gerrit Glomser (AUT/Lampre-Caffita) - 10. Kurt-Asle Arvesen (NOR/Team CSC) - weiter: 23. Georg Totschnig (AUT/Gerolsteiner) - 130. Bernhard Eisel (AUT/FDJeux.com) alle gleiche Zeit - 133. Peter Wrolich (AUT/Gerolsteiner) +2:27

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    Lorenzo Bernucci nutzte in Nancy die Gunst der Stunde. Vor einem nach Sturz zersplitterten Hauptfeld kommt auch Alexander Winokurow (re) ins Ziel.

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    Tour-Arzt Gerard Laport kümmert sich um den gestürzten Christophe Mangin.

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    Auch der Mann in Grün war betroffen, Tom Boonen konnte seine Sprintkünste diesmal nicht zeigen.

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