EZB lässt Leitzins unverändert

21. Juli 2005, 11:42
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Zinsatz bleibt bei 2,0 Prozent - Europäische Zentralbank signalisierte zuletzt neutrale Haltung

Frankfurt/Main - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat trotz erneuter Forderungen nach einer Zinssenkung den Leitzins in der Euro-Zone unverändert gelassen.

Der für die Refinanzierung der Geschäftsbanken maßgebliche Schlüsselzins betrage weiter 2,00 Prozent, teilte die EZB am Donnerstag in Frankfurt mit.

Volkswirte hatten auch nicht damit gerechnet, dass die EZB Appellen von Politikern und Ökonomen nachkommen und versuchen würde, mit noch billigerem Geld die flaue Konjunktur anzuschieben. Auch eine Reaktion der EZB auf die Anschläge auf Londoner U-Bahnen und Bussen, wurde nicht erwartet.

Niedrigstes Niveau der Nachkriegszeit

Der Leitzins liegt seit Juni 2003 auf dem niedrigsten Niveau der Nachkriegszeit. Nach Ansicht der Währungshüter leidet die Wirtschaft nicht unter zu hohen Zinsen, sondern unter Strukturproblemen.

Auf längere Sicht könnten außerdem das übermäßige Geldmengenwachstum und der Ölpreis auf Rekordniveau zu steigender Inflation führen.

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet wird den Zinsbeschluss ab 14.30 Uhr MESZ auf der Pressekonferenz in Frankfurt erläutern, die auch über die Internetseite der EZB (www.ecb.int) live übertragen wird.

EZB unter Druck

Die Schwächephase der Wirtschaft im zweiten Quartal hatte die EZB in letzter Zeit stark unter Druck gebracht, ihre bis dahin ablehnende Haltung gegenüber noch billigerem Geld zu überdenken.

Regierungspolitiker aus Deutschland, Italien und Belgien forderten Zinssenkungen, auch Institutionen wie die OECD, das Ifo-Institut und einige Banken sprachen sich dafür aus. Die Finanzmärkte setzen ebenfalls zunehmend darauf. Doch die Frühindikatoren signalisierten zuletzt, dass sich die Konjunktur wieder gefangen hat.

"Wehren sich mit Händen und Füßen"

"Das stützt die EZB, die wehren sich mit Händen und Füßen gegen eine Zinssenkung, um sich Spielraum zu bewahren, um auf wirtschaftliche Schocks zu reagieren", sagte Stefan Schilbe von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Ob die Anschläge in London, bei denen mindestens 90 Menschen getötet oder verletzt wurden, ein solcher Schock seien, der eine Zinssenkung erfordere, bleibe abzuwarten.

EZB-Ratsmitglieder verdeutlichten in der Öffentlichkeit zuletzt, dass sie vorerst nur die Absicht einer Zinserhöhung aufgegeben haben, aber keineswegs schon einen Zinsschritt nach unten vorbereiten.

Aus Kreisen der Zentralbank war in den vergangenen Wochen allerdings Widersprüchliches zu hören: Einerseits hieß es, eine Zinssenkung sei bei weiterhin schwachen oder noch schlechteren Konjunkturdaten möglich.

Nachdem einige Daten zuletzt jedoch ein Ende des Abwärtstrends andeuteten, wurde eine Zinssenkung ausgeschlossen und auf die Notwendigkeit höherer Zinsen in der Zukunft hingewiesen.

Zinserhöhung erwartet

Volkswirte gehen denn auch mit einer Drei-Viertel-Mehrheit nach wie vor von einer Zinserhöhung als nächstem Schritt aus - wenn auch erst deutlich später als bisher angenommen, nämlich erst im kommenden Jahr.

Die Zentralbank ließ auch den Zinskorridor für den Geldmarkt unverändert. Die Sätze dafür betragen weiterhin 1,00 Prozent für Übernachteinlagen der Banken bei der EZB und 3,00 Prozent für Übernachtkredite. (APA/Reuters)

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