Mailath lobt seine Wiener Theaterreform

7. Juli 2005, 17:21
posten

Neu: Standortförderung für acht nicht förderungswürdige Häuser

Wien – Im Dezember 2002 beauftragte Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SP) die Fachleute Anna Thier, Günter Lackenbucher und Uwe Mattheiß mit einem Konzept für eine Theaterreform. Nun, nach zweieinhalb Jahren, zog er eine Zwischenbilanz, die naturgemäß positiv ausfiel. Marie Ringler hingegen, Kultursprecherin der Grünen, sieht das "Herzstück der Reform", die Schaffung von Koproduktionshäusern, noch immer nicht umgesetzt: Sie will auf diese drängen und besteht auf eine Vergabe erst nach breiter Diskussion.

Mailaths Pressekonferenz fand am Donnerstag im ehemaligen Theater Gruppe 80 statt, das die Gründer Helga Illich und Helmut Wiesner im Zuge der Reform aufzugeben hatten. Ihre Vorschläge, Zeno Stanek zum Nachfolger zu berufen, wurden nicht erhört: Mailath übergab die Bühne, die jetzt TAG heißt (Theater an der Gumpendorfer Straße) einem Kollektiv von drei freien Gruppen. Es beklagte, dass der Bund aufgrund des Betreiberwechsels seine Subvention für die Gruppe 80 einstellte und keine Veranlassung der TAG- Förderung sieht.

Mailath ging bezüglich der Kleinen Komödie ähnlich vor: Anita Ammersfeld, die das Kellertheater als Stadttheater Walfischgasse wiedereröffnete, erhält (im Gegensatz zu ihrem Vorgänger Helmut Siderits) keine Subvention.

Mailath betonte erneut die "Besorgnis erregenden" Subventionskürzungen des Bundes für Wiener Theatergruppen, die sich "wie ein schwarzer Faden" durch die gesamte Szene zögen. Wien hingegen habe das Budget für den Off- Bereich zwischen 1999 und 2005 um knapp 50 Prozent angehoben (von 14 auf 20 Millionen Euro). SP-Kultursprecher Ernst Woller rief u. a. in Erinnerung, dass es Mailaths Vorvorgängerin Ursula Pasterk (SP) gelungen war, die Mittel für die freie Szene binnen weniger Jahre zu verzehnfachen.

Mailath lobte, dass die Reform mit dem "Novum", Verträge statt über drei nun über zwei oder vier Jahre abzuschießen, "nicht von oben dekretiert" worden sei. Die Jury hatte allerdings keine Förderempfehlung für 13 Häuser abgegeben. Über die so genannte Standortförderung, die unabhängig vom Standort vergeben wird, lässt Mailath acht Häusern, darunter dem Theater am Schwedenplatz, dem Gloria Theater und der Freien Bühne Wieden, aber doch Geld zukommen. (trenk/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.7.2005)

Share if you care.