Studie: Antibiotikum verdoppelt Herzfehler-Risiko bei Ungeborenen

15. Juli 2005, 20:26
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Erythromyzin sollte im frühen Stadium der Schwangerschaft vermieden werden

Stockholm/Wien - Das in zahlreichen Medikamenten enthaltene Antibiotikum Erythromyzin verdoppelt laut einer schwedischen Studie das Risiko von Missbildungen am Herzen von Ungeborenen, wenn es von der Mutter während der Schwangerschaft eingenommen wird. Die schwedische Arzneimittelbehörde will nun den Warnhinweis auf der Verpackung der beiden in Schweden üblicherweise an Schwangere verabreichten Medikamente Ery-Max und Abboticin ändern.

Erythromycin ist EU-weit zugelassen. In Österreich kommt der Wirkstoff laut Daniela Reczek, der Sprecherin von Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (V), in acht zugelassenen, aber nicht sehr gängigen Medikamenten vor. All diese Medikamente enthielten entsprechende Warnhinweise, so die Sprecherin. Die Angelegenheit sei beim jüngsten Treffen der EU-Arzneimittelbehörden in London besprochen worden und auch beim kommenden Meeting wieder auf der Tagesordnung. Außer Schweden habe bisher kein Land Bedenken gegen die Medizin geäußert, so Reczek. Auch in Schweden selbst seien keine behördlichen Sofortmaßnahmen ergriffen worden.

Hinweis im Beipacktext geplant

Laut der schwedischen Gynäkologie-Professorin Viveca Odlind bestätigt die neue Studie das Ergebnis einer bereits vor einiger Zeit veröffentlichten Studie, die aber wegen Mängeln vorerst nicht zu Maßnahmen der Arzneimittelbehörde geführt hatte. Nun soll im Beipacktext der bei Infektionen wie etwa Lungenentzündung oder Chlamydia verabreichten Arzneien der Hinweis angebracht werden, das Medikament im frühen Stadium der Schwangerschaft nach Möglichkeit zu vermeiden.

Der Studie zufolge dürften die Missbildungen an Blutgefäßen des Embryo-Herzens vor der 12. Schwangerschaftswoche entstehen. Von 1.844 untersuchten Müttern hatten 31 Kinder Missbildungen am Herzen entwickelt - laut Studie rund doppelt so viele wie im Gesamtdurchschnitt. Die Daten für die Studie wurden in den Jahren 1995-2002 erhoben. (APA)

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