Analysten: Begrenzte Auswirkungen

27. Juli 2005, 18:54
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Nach erster Einschätzung von Volkswirten nur begrenzte Folgen für die Wirtschaft

Wien - Die Explosionsserie in London dürfte nach erster Einschätzung von Volkswirten nur begrenzte Folgen für die Wirtschaft haben. Der Chefvolkswirt der HypoVereinsbank, Jörg Krämer, sagte am Donnerstag, trotz der schrecklichen Ereignisse vertraue er darauf, dass die britische Wirtschaft - und damit die Lebensgrundlage der Menschen - nicht aus der Bahn geworfen werde. Dabei verwies er auf die US-Wirtschaft, die bereits kurz nach den Anschlägen in New York im September 2001 wieder kräftig gewachsen sei.

Bei einer Serie von Explosionen in Londoner U-Bahnen und Bussen sind nach Angaben von Ärzten am Donnerstag mindestens 90 Menschen getötet oder verletzt worden. Der britische Premier Tony Blair sagte, es sei ziemlich klar, dass es sich um eine Serie von terroristischen Anschlägen handelt.

Neue Weltlage

Krämer sagte, die Anschläge in New York hätten eine neue Weltlage gebracht. "Man hat realisiert: Der Terror ist in der westlichen Welt". Trotz der katastrophalen Opferzahlen und riesigen Verunsicherung seien die Folgen für die US-Wirtschaft nur begrenzt gewesen. Matthias Rubisch von der Commerzbank sagte ebenfalls, in der Regel seien die realwirtschaftlichen Effekte von Terroranschlägen eher kurzfristig: "Wenn überhaupt, gibt es an den Märkten kurzfristig Spannungen."

Nach den Anschlägen in New York hatten Zentralbanken als Stimulus für die verunsicherte Wirtschaft die Zinsen gesenkt. Krämer sagte mit Blick auf die Zinspolitik der Bank of England, in Großbritannien werde in nächster Zeit ohnehin mit einer Zinssenkung gerechnet, weil der Höhepunkt der Konjunktur bereits überschritten sei. Am Donnerstag ließ die britische Zentralbank den Leitzins zunächst unverändert bei 4,75 Prozent.

EZB behält sich Zinssenkung vor

Krämer sagte, die Europäische Zentralbank (EZB), die ebenfalls am Donnerstag über das Zinsniveau beriet, würde sich eine Zinssenkung vorbehalten, wenn die Ereignisse in London wirtschaftliche Auswirkungen auf die Euro-Zone hätten. "Der Meinung waren wir aber auch vorher, falls die Wirtschaft schlechter läuft als erwartet." Rubisch sagte, die EZB brauche die Zinsen nicht zu senken, sie könne im Falle von Spannungen am Finanzmarkt höchstens für ausreichende Liquidität sorgen.

Bernd Weidensteiner von der DZ Bank sagte ebenfalls, es wäre eine unangemessene Reaktion, wenn die EZB die Zinsen senken würde. "Wir müssen die Folgen für die Realwirtschaft abwarten." Mehr Sicherheitsmaßnahmen könnten natürlich die Wirtschaft behindern, zum Beispiel durch Sperrungen von Bahnhöfen oder Sicherheitskontrollen im Außenhandel. Eine unvermeidliche Folge sei zudem, dass Regierungen wirtschaftliche Reformen eher nach hinten schöben, um sich der Sicherheitspolitik zu widmen. (APA)

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