Wien: Sicherheitsmaßnahmen vor britischer Botschaft erhöht

8. Juli 2005, 21:49
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Keine Hinweise auf betroffene Österreicher

London/Wien - Nach den Anschlägen in London wurden am Donnerstag die Sicherheitsmaßnahmen vor der britischen Botschaft in Wien erhöht. Die Lage war aber am frühen Nachmittag ruhig, wenn auch eine leicht angespannte Atmosphäre zu verspüren war, wie ein APA-Mitarbeiter berichtete. Der Zugang zur Botschaft war wie üblich mit Betonblöcken gesichert. Außerdem stand ein Polizeifahrzeug vor dem Gebäude. Sicherheitsbeamte patrouillierten vor der Botschaft.

Österreichische Botschaft in London verstärkt

Als unmittelbare Maßnahme nach den "verheerenden, heimtückischen Terroranschlägen" in London wird die Österreichische Botschaft sofort verstärkt. Dies erklärte Außenministerin Ursula Plassnik (V) am heute, Donnerstag Nachmittag, laut einer Aussendung. Derzeit gebe es keine Hinweise auf österreichische Opfer.

Noch heute werde das Personal der Botschaft aufgestockt, um die optimale Betreuung der Österreicher sicherzustellen, die sich derzeit in Großbritannien aufhalten, so Plassnik.

Ein Mitarbeiter des Außenministeriums und zwei Beamte des Innenministeriums werden am frühen Abend in London eintreffen. Ein Mitarbeiter der Botschaft London hat seinen Urlaub bereits unterbrochen", erklärte Plassnik.

Die Außenministerin sprach den Familien und Angehörigen der Opfer ihr tief empfundenes Mitgefühl aus und sagte: "Ich verurteile schärfstens diese terroristischen Anschläge, deren einziges Ziel die Verursachung von menschlichem Leid, von Zerstörung und Verwüstung ist".

"Die Mitarbeiter der österreichischen Botschaft sind in ständigem Kontakt mit den britischen Behörden und mit Krankenhäusern im Großraum London, um so schnell wie möglich Gewissheit zu haben, ob auch Österreicherinnen und Österreicher von den Anschlägen betroffen sind", so die Außenministerin. Sowohl die Botschaft London als auch das Außenamt in Wien stehen jenen Angehörigen für Auskünfte zur Verfügung, die noch nicht mit Verwandten oder Freunden, die sich in London aufhalten, Kontakt aufnehmen konnten.

"Wir bemühen uns, sie dabei zu unterstützen, ihre Angehörigen ehestmöglich zu kontaktieren." Auch mit den Reiseveranstaltern arbeitet das Bürgerservice des Bundesministeriums für auswärtige Angelegenheiten engstens zusammen. "Hier in Wien erheben wir von der Botschaft des Vereinigten Königreichs, ob und wie wir unsere britischen Partner unterstützen können."

Die österreichischen Botschaften rund um die Welt haben aus Anlass der heutigen Anschläge umgehend ihre Krisenpläne aktiviert und haben sich vor dem jeweiligen lokalen Hintergrund auf das allgemein erhöhte Bedrohungsniveau eingestellt.

Flugverkehr in Schwechat normal

Die Explosionen in London hatten zunächst keine Auswirkungen auf den Flugverkehr am Wiener Flughafen Schwechat. Nach Angaben von Flughafensprecher Hans Mayer fliegen bzw. landen alle Maschinen am Donnerstag nach bzw. aus London planmäßig. Die bereits seit einigen Jahren erhöhte Sicherheitsstufe bleibt auf 2, so Mayer. Das heißt, dass es sowieso verstärkte Kontrollen am Flughafen gebe.

Vorerst bestand auch kein Grund zur Erhöhung dieser Sicherheitsstufe, betonte Mayer. Diese Stufen gehen von 1 bis 5. 5 bedeutet, dass der komplette Flughafen gesperrt wird. In diesem Fall wird das Airlines Operators Committee (AOC), das Gremium mit allen Wien anfliegenden Gesellschaften, über die Maßnahmen informiert.

Ruhige Lage am Flughafen

Der Airport stand nach der Anschlagserie ständig in Kontakt mit dem Innenministerium, berichtete Mayer. Das Ministerium kommuniziere auch, falls die Sicherheitsmaßnahmen erhöht werden müssen. Mayer vermutete jedoch, dass es in diesem Fall europaweit zu diesen Maßnahmen kommen wird, und Österreich nicht im Alleingang urgiert. Am Donnerstag ging es auch nach der Information der Anschläge in London ruhig am Wiener Flughafen zu. Es gab niemanden, der seinen London-Flug nicht angetreten hätte, so Mayer.

Nach London fliegen am Donnerstag noch vier Maschinen (BA701 um 14.15 Uhr, OS455 um 17.15 Uhr, BA705 19.05 Uhr und OS457 um 19.40 Uhr). Angekündigt waren zwei Maschinen, die aus London-Heathrow nach Wien flogen (OS452 Landung um 12.56 Uhr und BA700 Landung um 13.37 Uhr).

Prokop "erschüttert

"Erschüttert" zeigte sich am Donnerstag auch Innenministerin Liese Prokop (V) über die Anschläge in London. Gleichzeitig betonte sie aber, dass es keine Bedrohung für Österreich gebe. Trotzdem habe man gewisse Maßnahmen gesetzt. So seien etwa die Sicherheitsvorkehrungen bei der englischen Botschaft verschärft worden, ebenso am Flughafen und auf Flügen nach London. Zwei Beamte seien nach London entsandt worden.

Insgesamt habe es eine allgemeine Sensibilisierung der Sicherheitsbeamten gegeben, Sprengstoffexperten seien in Alarmbereitschaft, so Prokop. Kontakt gebe es auch zur AUA und den ÖBB. Man wisse seit den Anschlägen in Madrid, dass Europa "keine Insel der Seeligen" ist. Prokop wies auch darauf hin, dass England derzeit den EU-Vorsitz inne hat, damit sei auch Europa betroffen. Man werde sich daher auch in Europa noch stärker mit der Bekämpfung des Terrorismus beschäftigen müssen. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein Beamter der Polizei-Sondereinheit WEGA steht vor dem Gebaeudekomplex der Britischen Botschaft in Wien.

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