Ostexpansion birgt für Handel große Wachstumschance, aber auch Risken

15. Juli 2005, 16:42
1 Posting

RegioPlan-Studie: Österreich nach wie vor als Tor zum Osten - Wettbewerbsvorteile für "first mover"

Wien - Handelsunternehmen setzen zunehmend auf die Expansion nach Osteuropa, dabei gilt Österreich nach wie vor als Tor zum Osten. In Osteuropa locken noch nicht gesättigte Märkte, höhere Wachstumsraten und wachsende Kaufkraft, allerdings haben vor allem die Pioniere auch weitaus höhere Risiken zu tragen, geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Marktstudie von RegioPlan hervor.

Die fünf "Hot Spots" der internationalen Filialen-Expansion im Handel sind derzeit Bukarest (Rumänien), Sofia (Bulgarien), Zagreb (Kroatien), Moskau (Russland) und Kiew (Ukraine).

Einkaufs- und Fachmarktzentren dominieren

Einkaufs- und Fachmarktzentren dominieren in Osteuropa den Handel, der durch eine geringe Verkaufsflächendichte und eine geringe Bedeutung der gewachsenen Innenstädte geprägt ist.

Der zunehmende Wohlstand fließt fast ausschließlich in Einkaufszentren, die in den nächsten Jahren einen Marktanteil von 50 bis 60 Prozent erreichen werden, prognostizieren die Marktforscher.

Heimischer Einzelhandel dümpelt dahin

Während in Österreich die Zuwachsraten im Einzelhandel bei bestenfalls ein bis zwei Prozent dahin dümpeln, steige das Einzelhandelsvolumen in den ost- und südosteuropäischen Ländern oft jährlich um inflationsbereinigte 5 bis 10 Prozent, so RegioPlan.

Ein weiterer Unterschied zu Westeuropa: Alle CEE-Länder weisen ein weitaus stärkeres Stadt-Land-Gefälle auf. Die vergangenen Jahre brachten starke Kaufkraftzuwächse in den städtischen Gebieten mit sich, so der Marktforscher.

"Tor zum Osten"

Österreich und besonders Wien sind bei der Ostexpansion vieler Unternehmen das "Tor zum Osten". Vor allem Handelsunternehmen aus Österreich, Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien und Schweden gehen nach Osteuropa, wobei auch die ausländischen Unternehmen ihre Osteuropa-Expansion vielfach von Österreich aus durchführen, darunter etwa C&A, Rewe und Deichmann.

Zu den österreichischen Osteuropa-Pionieren zählen dm mit 415 Standorten, Billa bzw. Rewe mit 210 Standorten und Spar bzw. Aspiag (170 Standorte). Stark vertreten sind außerdem Leder & Schuh (Humanic), bauMax und Palmers.

"first mover"

Ein entscheidender Vorteil in diesen Ländern sei es, "first mover" zu sein, meinen die RegioPlan-Experten. Daraus ergäben sich langfristige Wettbewerbsvorteile.

Unternehmen wie Billa, bauMax, Tesco, Ikea oder Auchan konnten in den unmittelbar an Österreich grenzenden CEE-Ländern eine sehr feste Marktposition besetzen, weil sie zu den Ersten gehörten, die die Erschließung dieser neuen Märkte forcierten, analysiert RegioPlan.

Risiken

Pioniere müssten allerdings auch weitaus höhere Risken tragen und mit bürokratischen Hemmnissen, unklaren Rechtssituationen und auch gelegentlich mit lokalen Partnern mit "Abzockermentalität" kämpfen. Einige Pioniere hätten bei der Erschließung neuer Märkte "durchaus viel Lehrgeld bezahlen müssen", so der Marktforscher.

In Slowenien sei es beispielsweise verboten, fremdsprachige Mitarbeiter im Handel zu beschäftigen. In Serbien sei der Erwerb von Grundstücken sehr schwierig und in der Ukraine und in Russland soll es oft ungebetene "Berater" geben.

In Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Polen und Slowenien hat die Handelsdichte in den Städten bereits westliche Werte erreicht. Einer vollflächigen Versorgung, wie man sie in Österreich kenne, werde aber erst frühestens in zehn Jahren zu erwarten sein, so RegioPlan.

Die Expansion der filialisierten Unternehmen in diesen Ländern gehe derzeit "in die Fläche", nach den Hauptstädten dieser Länder würden jetzt Provinzhauptstädte wie Györ, Brünn oder Pecs erobert. Am "flachen Land" bestehe hingegen noch großer Nachholbedarf.

Expansion geht weiter

Vor allem Osteuropa-Pioniere wie Ikea, Metro, Rewe und Tesco, die sich in den unmittelbar an Österreich angrenzenden Staaten bereits erfolgreich etabliert haben, wagen sich nun in fernere Märkte und "risikoreichere" Gebiete.

In Rumänien, Bulgarien und Kroatien sei die Entwicklung aber noch längst nicht so weit fortgeschritten. Die Expansion befinde sich dort noch in der ersten Phase: Der Standortexpansion in den Hauptstädten selbst.

In das Blickfeld der Expansionsmanager sind aber längst die Märkte Ukraine, Serbien und Montenegro, Bosnien und Herzegowina und Moskau gerückt. (APA)

Link

RegioPlan
Share if you care.