Rapperin Lil' Kim wegen Meineids zu einem Jahr Gefängnis verurteilt

11. Juli 2005, 22:12
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Prozess um Ermordung von Rapper Notorious B.I.G. geplatzt

New York/Los Angeles - Die Rapmusikerin Lil' Kim ist wegen Meineids zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und einem Tag verurteilt worden. Die Grammy-Preisträgerin muss zudem eine Geldstrafe von 50.000 Dollar zahlen, entschied am Mittwoch ein Richter in New York.

Die 29-Jährige war bereits im März für schuldig befunden worden, eine Geschworenen-Jury belogen zu haben. Mit ihrer Falschaussage habe sie Freunde aus der HipHop-Szene schützen wollen, die im Zusammenhang mit einer Schießerei vor einem New Yorker Studio vor nahezu vier Jahren angeklagt waren.

Falls Lil' Kims Anwälte das Urteil nicht noch erfolgreich anfechten können, ist sie die erste professionelle HipHop-Musikerin, die ins Gefängnis muss. Mehrere ihrer männlichen Kollegen verbüßten bereits Haftstrafen, meist wegen gewalttätiger Auseinandersetzungen in der Rap-Szene.

Kein falsches Signal

Richter Gerard Lynch beschrieb sein Urteil als vergleichsweise milde. Theoretisch hätte er eine Maximalstrafe von 20 Jahren verhängen können. Eine sehr hohe Strafe gegen eine bekannte afroamerikanische Entertainerin hätte er aber für ein falsches Signal gehalten, erläuterte der Richter.

Die Rapperin muss ihre Haftstrafe am 19. September antreten. Ihre Karriere hatte Lil' Kim mit einer improvisierten Darbietung an der Seite des Rap-Stars Notorious B.I.G. in Gang gebracht. 1996 wurde ihr Debütalbum "Hard Core" umgehend zu einem Erfolg.

Prozess um Ermordung geplatzt

Acht Jahre nach der mysteriösen Ermordung des US-Rappers Notorious B.I.G. ist ein Prozess von Angehörigen des Musikers gegen die Stadt Los Angeles geplatzt. Am Mittwoch habe die vorsitzende Richterin ein so genanntes Fehlverfahren (Mistrial) erklärt, berichtete die "Los Angeles Times". Demnach hat die unter Beschuss geratene Polizeibehörde der Stadt verfahrenswidrig wichtige Dokumente unter Verschluss gehalten. Anwälte der Kläger-Familie wollen mit Hilfe dieser möglichen Beweismittel nun einen neuen Prozess führen. Das jetzt geplatzte Zivilverfahren hatte vor zwei Wochen begonnen.

Die Angehörigen des ermordeten Rappers wollen beweisen, dass der Musiker mit Beihilfe eines korrupten Polizisten auf offener Straße erschossen wurde. Bereits im Jahr 2002 hatte die Familie von Notorious B.I.G. ihre Schadenersatzklage wegen widerrechtlicher Tötung gegen die Stadt Los Angeles eingereicht. Die Kläger, darunter Mutter, Ehefrau und Kinder des Musikers, werfen der Polizeibehörde zudem vor, nicht genug zur Verhinderung des Mordes getan zu haben.

Die Rap-Schlacht von 1997

1997 war der 24-jährige Rapper mit bürgerlichem Namen Christopher Wallace nach einer Preisverleihungs-Party vor einem Museum in Los Angeles erschossen worden. Insgesamt sieben Schüsse wurden aus einer vorbeifahrenden Limousine auf den Sportwagen des Rappers abgefeuert. Der Täter wurde nie gefasst.

Ein halbes Jahr zuvor war der Rapper Tupac Shakur auf ähnliche Weise in Las Vegas umgekommen. Shakur und Wallace waren erbitterte Gegner und in der Rap-Szene die größten Konkurrenten. In der Klageschrift wurde behauptet, Angehörige der Polizei von Los Angeles hätten einen Kollegen gedeckt, der an der Ermordung von Notorious B.I.G. beteiligt gewesen sein soll.

Polizisten als Leibwächter

Nach diesen Angaben hatte die Plattenfirma Death Row Records, bei der Tupac Shakur unter Vertrag war, Polizisten aus Los Angeles als Leibwächter beschäftigt. Derartige Nebentätigkeiten von Polizisten sind in einigen US-Bundesstaaten durchaus üblich. Die Familie des erschossenen Rappers beklagt aber, dass die Polizisten es nicht beim Personenschutz belassen, sondern sich mit Kriminellen verbündet hätten.

Mit seinem millionenfach verkauften Debütalbum "Ready To Die" zählte Notorious B.I.G. zu den Stars der Rap-Musik. 1995 hatte ihn die Zeitschrift "Billboard" zum Rapper des Jahres gewählt. (APA/dpa)

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