Überblick: Wie beschränken die Unis den Zugang?

14. Juli 2005, 14:34
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Vor allem Medizin-Universitäten planen Beschränkungen - Veterinärmedizin macht mehrstufiges Auswahlverfahren - Qualifizierungssemester in Klagenfurt

Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) über die Zugangsbeschränkungen für EU-Studenten an den österreichischen Universitäten wird nicht für alle Hochschulen die gleichen Konsequenzen haben. Nach der Aufhebung der heimischen Regelung werden Numerus-Clausus-Flüchtlinge vor allem an den drei Medizinischen Universitäten in Wien, Innsbruck und Graz erwartet.

Numerus Clausus

Einen deutschlandweiten Numerus Clausus (NC) gibt es in den Fächern Medizin, Zahnmedizin, Veterinärmedizin, Biologie, Psychologie und Pharmazie. Medizin, Zahnmedizin und Veterinärmedizin werden in Österreich an den drei Medizin-Unis bzw. der Veterinärmedizinischen Universität Wien angeboten. Biologie kann man an den Universitäten Wien, Graz, Salzburg und Innsbruck studieren, Pharmazie an den Unis Wien, Innsbruck und Graz. Psychologiestudien sind an den Unis Wien, Graz, Salzburg, Innsbruck und Klagenfurt eingerichtet.

WU Wien: Auch BWL

Außerdem plant die Regierung, den Unis Zugangsbeschränkungen auch für die Betriebswirtschaftslehre (BWL) und verwandte Fächer zu erlauben - obwohl der deutschlandweite NC für BWL heuer aufgehoben wurde, könnte es noch einen "Rückstau" an Interessenten geben. Davon wären die Wirtschaftsuniversität (WU) Wien sowie die Universitäten Wien, Graz, Linz, Klagenfurt und Innsbruck betroffen.

Darüber hinaus können die einzelnen Unis in Deutschland aber auch in anderen Fächern Zugangsbeschränkungen verhängen. Dies ist etwa in München bei der Publizistik der Fall - auf Grund der räumlichen Nähe könnte das Publizistik-Studium an der Uni Salzburg für viele deutsche Studenten attraktiv werden und dadurch unter Druck kommen.

Med-Uni Wien und Graz: Platzbeschränkungen

Wie die einzelnen Universitäten reagieren werden, also ob und welche Zugangsbeschränkungen sie planen, ist erst zum Teil klar. Am weitesten sind die Planungen an den Medizin-Unis gediehen. Die Medizin-Universität Wien hat sich bereits für das "First come, first serve"-Prinzip entschieden. Demnach wird bereits im ersten Studienabschnitt die Zahl der Studienplätze für Praktika und Übungen auf 1.560 beschränkt und nach der Reihenfolge der Anmeldung vergeben. Der 1.561-te Interessent wird zwar aufgenommen, erhält aber keinen Platz im Kleingruppen-Unterricht. Anders an der Medizin-Uni Graz: Dort soll die Auswahl erst nach einem Semester erfolgen - mittels Eignungstest, Kenntnistest und Prüfungsleistungen im ersten Halbjahr.

Med-Uni Innsbruck: Harte und weiche Kriterien

Mit einer Mischung aus "First come-first serve" und einem Fragebogen mit "harten und weichen Kriterien" will die Medizinische Universität Innsbruck reagieren. Darin sollen "harte Kriterien" wie der Gesamtnotendurchschnitt und der Notendurchschnitt in den naturwissenschaftlichen Fächern erhoben werden. Als "weiches Kriterium" soll beispielsweise "soziales Engagement" - etwa durch eine Mitarbeit beim Roten Kreuz - in die Bewertung eingehen. Für die unterschiedlichen Kriterien werden Punkte vergeben. Studenten, die sich zwar zuerst vorangemeldet haben, aber nur eine niedrige Punktezahl aufweisen können, werden zurück gereiht.

Uni Wien: Frühwarnsystem

Die Universität Wien hat ein "Frühwarnsystem" für die bei ihr angebotenen Fächer (Pharmazie, Biologie, Betriebswirtschaft, Psychologie) eingerichtet. Dabei werden wöchentlich die Zulassungszahlen und deren Abweichung zum Vorjahr überprüft. Etwaige Auswahlverfahren sollen nicht vor der Zulassung, sondern im Rahmen einer bis zu zwei Semester dauernden Studieneingangsphase erfolgen. Wahrscheinlich ist auch eine unterschiedliche Behandlung der betroffenen Fächer: In der Psychologie verkraftet man laut Rektor Georg Winckler keinen zusätzlichen Studenten, in der Biologie gäbe es dagegen noch Kapazitäten.

An der Universität Innsbruck soll es ebenfalls keine Zugangsbeschränkungen vor Studienbeginn geben, jedoch Studieneingangsphasen in den Fächern Biologie, Pharmazie und Psychologie. Übernommen werden dann so viele Studenten, wie derzeit in den drei Fächern nach dem ersten Studienjahr studieren.

Vet-Med: Schriftliche Bewerbung

Die Veterinärmedizinische Universität Wien (VUW) plant ein mehrstufiges Auswahlverfahren für Studienwerber. Für die Zulassung ist zunächst eine Bewerbung um einen Studienplatz nötig. Die Frist dafür läuft vom 1. bis zum 26. August (12 Uhr). Die Reihenfolge des Eingehens der Unterlagen ist dabei unerheblich.

Die Bewerbung muss unter anderem den Nachweis der allgemeinen Universitätsreife durch ein österreichisches oder gleichwertiges EU/EWR-Reifeprüfungszeugnis, eine Studienberechtigungsprüfung oder eine österreichische Berufsreifeprüfung enthalten sowie einen Lebenslauf und ein Motivationsschreiben. Für eine vollständige Bewerbung ist auch die Online-Vorerfassung der personenspezifischen Daten erforderlich.

Das Ergebnis des Auswahlverfahrens führt zur formalen Zulassung der Studierenden innerhalb der allgemeinen Zulassungsfrist (1.9.2005 - 30.9.2005) oder der Nachfrist (01.10. - 30.11.2005). Die weiteren Einzelheiten zum Bewerbungs-, Auswahl- und Zulassungsverfahren werden demnächst in den amtlichen Mitteilungen kundgemacht.

Klagenfurt: Halbes Jahr Probezeit

An der Klagenfurter Uni soll es ab Herbst ein Qualifizierungssemester für bestimmte Fächer geben. Für welche Fächer steht noch nicht fest, vermutlich kommen Psychologie und Medienkommunikation in Betracht.

Nach Ablauf eines halben Jahres soll somit künftig entschieden werden, ob der Student das Fach studieren darf oder nicht, erläutert die stellvertretende Rektorin Petra Hesse. "Wir werden am Ende dieses Qualifizierungssemesters Prüfungen durchführen, die aussagekräftig sein sollen für die Eignung der jeweiligen Inskribenten für das jeweilige Fachstudium", so Hesse gegenüber dem ORF-Kärnten.

Konkret soll jedes Institut selbst entscheiden können, ob es für seine Studenten ein solches Qualifizierungssemester gibt oder nicht. Mitte September werde man jedenfalls den Inskriptionsverlauf mit denen vorheriger Jahre vergleichen und dann Entscheidungen treffen. (APA)

  • Baustelle Universitätsgesetz: Das Studium wird in acht Fächern künftig nur mehr ausgewählten StudentInnen erlaubt werden.
    foto: standard/corn

    Baustelle Universitätsgesetz: Das Studium wird in acht Fächern künftig nur mehr ausgewählten StudentInnen erlaubt werden.

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