Stockholm: Linne-Skulptur von Wiener "Gastarbeitern" gegossen

15. Juli 2005, 20:56
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Hinweis in Flaschenpost im Inneren der Statue aus dem 19. Jahrhundert gefunden

Stockholm - Jene am Dienstag bei der Restaurierung in einer Statue des schwedischen Naturwissenschafters Carl von Linne (1707-1778) gefundene Flaschenpost brachte es ans Tageslicht: Die normalerweise im Humle-Park ins Stockholm aufgestellte Bronzeskulptur wurde in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts von Wiener "Gastarbeitern" gegossen.

Die in einer Bierflasche versteckte, mit 2. Oktober 1884 datierte Botschaft zählt die Namen jener auf, die die ausführende Arbeit an der vom schwedischen Bildhauer Frithiof Kjellberg (1836-1885) geschaffenen Statue verrichteten. Es handelte sich um den Kunstgießer Pet(t)er (sic!) Schmidt und seinen Gehilfen Peter Goldnagel, beide aus Wien sowie einen bayrischen Ziseleur, von dem nur der Nachname Schwab überliefert ist.

Fachkräfte-Mangel

Laut Kaj Larsson von der Stockholmer Kunstkanzlei war es nicht ungewöhnlich, dass sich die ausführenden Arbeiter auf diese oder ähnliche Art im Inneren von Statuen verewigten. Bekannt ist über die drei mitteleuropäischen "Gastarbeiter" in Stockholm bisher nichts. "Damals gab es in Schweden keine richtigen Kunstgießer", so Larsson. Es sei daher nicht ungewöhnlich gewesen, dafür Fachkräfte insbesondere aus Österreich und Deutschland zu holen.

Die im Stockholmer Humle-Park auf einem fünf Meter hohen Sockel stehende, 4,3 Meter hohe Statue besteht aus fünf Einzelbronzen. Die gesamte Herstellungsdauer der Linne-Skulptur schätzt Larsson auf mehrere Jahre. Am 2.10.1884 jedenfalls wurde der Kopfteil aufgesetzt. Danach blieb es im Inneren der Statue finster - bis vor ein paar Tagen. Larsson zufolge denkt man in der Kunstkanzlei daran, die Tradition fortzuführen und für die Restaurateure einer künftigen Generation wieder eine Botschaft im Inneren von Carl von Linne zu hinterlassen. (APA)

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