Streit um Afrika-Hilfe

8. Juli 2005, 16:18
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Thema zwischen Bush und seinen europäischen Partnern heftig umstritten - EU will Entwicklungshilfe aufstocken

Gleneagles - Die Staats- und Regierungschefs der führenden sieben Industriestaaten und Russlands kommen heute Donnerstag zu ihren ersten Arbeitssitzungen beim G8-Gipfel zusammen. Im Mittelpunkt der Beratungen im schottischen Luxushotel Gleneagles steht zuerst die Lage der Weltwirtschaft angesichts des hohen Ölpreises. Danach will sich die Gipfelrunde mit dem Kampf gegen den Klimawandel beschäftigen.

Dieses Thema ist zwischen US-Präsident George W. Bush und seinen europäischen Partnern heftig umstritten. Die USA sind die einzige Nation in der G-8, die das Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz nicht unterzeichnet haben. Großbritanniens Premierminister und Gastgeber Tony Blair hofft, eine gemeinsame Gipfelerklärung erreichen zu können.

Zur G-8 gehören die USA, Deutschland, Kanada, Japan, Russland, Frankreich, Italien und Großbritannien.

Afrika-Hilfe: Eine Frage der Summen

Ebenfalls umstritten ist weiter die Höhe der Afrika-Hilfe. Auch in diesem Punkt sperrt sich Bush. Er will den Europäern nicht folgen, die die Hilfe bis 2010 deutlich auf schätzungsweise 50 Milliarden Euro erhöhen wollen. Die Unterhändler ringen auch in diesem Punkt noch um eine gemeinsame Erklärung des Gipfels. Zu Beginn des Treffens am Mittwoch im schottischen Gleneagles stritten die USA und die anderen sieben Mitglieder noch immer, mit wie viel Geld der Hunger und die Armut auf dem Kontinent bekämpft werden soll, wie aus den Delegationen verlautete.

Die EU ging mit gutem Beispiel voran und kündigte eine deutliche Aufstockung ihrer Handelshilfen für die Entwicklungsländer von jährlich einer Milliarde Euro aus der Brüsseler Kasse an. Die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrienationen und Russlands kamen am Abend zu einem Galadiner mit der britischen Königin Elizabeth II. zusammen.

Bei der Debatte über die Entwicklungshilfe herrschte unter den Staats- und Regierungschefs aus den USA, Deutschland, Kanada, Japan, Russland, Frankreich, Italien und Großbritannien offensichtlich nur Einigung, korrupte Regime in den Entwicklungsländer von Hilfe auszuschließen.

Zur Gipfelrunde stoßen an diesem Donnerstag die Staats- und Regierungschefs aus China, Indien, Mexiko, Südafrika und Brasilien. Die Gruppe der Acht sucht den Dialog mit diesen Ländern, um unter anderem in internationalen Handelsfragen voranzukommen. Die G8 beschäftigen sich zudem mit den internationalen Krisenherden im Nahen Osten und den Nuklearprogrammen in Iran und in Nordkorea.

Gewalttätige Ausschreitungen von G-8-Gegnern

Zum Auftakt des Gipfels kamen die Staats- und Regierungschefs am Mittwochabend zu einem Galadinner mit der britischen Königin Elizabeth II. zusammen. Parallel zum königlichen Empfang spielten bei einem großen Konzert in Edinburgh zahlreiche Pop- und Rock-Stars vor etwa 50.000 Menschen. Live-8-Initiator Bob Geldof hatte auch dieses Konzert organisiert.

Elite-Polizisten mussten erneut wegen gewalttätiger Ausschreitungen von G-8-Gegnern eingreifen. Bei einem Protestmarsch zogen etwa 3000 bis 4000 Teilnehmern am Mittwochabend Richtung Tagungshotel. In der Nähe der Anlage durchbrachen einige Demonstranten einen Sicherheitszaun. Etwa 100 Demonstranten wurden festgenommen.

Es ist der größte Polizeieinsatz in der Geschichte Großbritanniens. Die 10.000 Sicherheitskräfte haben sich in Edinburgh und auf den Straßen zu dem 70 Kilometer entfernten Tagungsort postiert. (APA/dpa)

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