Ton sur Ton

13. Juli 2005, 17:45
posten

Tipp der Woche: Eine kleine Schau in Wien zeigt die Keramikarbeiten von Matthias Kaiser

Mit 19 ging Matthias Kaiser nach New York. Musiker wollte er werden. Allerdings machte der Ton, bei dem er hängen blieb, keine Musik. Keramische Behältnisse aller Art waren es, die es dem inzwischen 38-Jährigen während eines Grundkurses im Töpfern angetan hatten. Eine fundierte Ausbildung folgte und die Sehnsucht nach Japan, wo diese Materie bekanntlich in einer lebendigen und großen Tradition steht, ließ ihn den Flieger nach Nippon besteigen, wo er sich weiter mit der archaischen Qualität sowie der Formbarkeit des Materials auseinander setzte. Kaiser, der zurzeit Ausstellungen in Japan und Seattle vorbereitet, fand während seiner Lehre bei zwei traditionellen Meistern heraus, dass ihn vor allem die Auseinandersetzung mit dem Detail beschäftigte. In dem liegt bekanntlich der Hund, und der heißt in keramischen Belangen oftmals industrielle Fertigung: "Bestimmte Details lassen sich maschinell nicht herstellen. Darin liegt für mich die Tiefe dieser Art Gestaltung, etwas, das mir im Produktdesign oft abgeht."

Kaisers Keramik ist ein Mix verschiedener Stile, beeinflusst fühlt sich der Steirer in erster Linie von seinen Reisen: "Ich versuche aus verschiedensten Epochen und Regionen Formen abzuleiten und sie fürs Hier und Jetzt zu adaptieren." Der Gestalter, der jedem seiner Objekte seine "Eigenart" verleihen will, möchte klare Formen schaffen, ohne aber zu vereinfachen. "In Österreich wird meine Arbeit oft als japanische Keramik gesehen, die Japaner glauben, darin französische Einflüsse zu erkennen", so Kaiser. Hauptsache, sie kommt niemandem spanisch vor. (maik/Der Standard/rondo/8/7/2005)

Ausstellung bei Morton's Art Palace, Lindengasse 32, 1070 Wien. Täglich außer Montag von 11 bis 19 Uhr 8. bis 16. Juli.
  • Artikelbild
    foto: m. kaiser
Share if you care.