Betonierte Küsten lähmen Tourismus in Spanien

13. Juli 2005, 13:50
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Im Luxusbadeort Marbella stehen 20.000 illegale Wohnungen - Massentourismus ist nur noch für Spekulanten attraktiv

Ein Drittel der spanischen Küste ist bereits verbaut, kritisiert ein neuer Greenpeace-Bericht, demzufolge nicht nur die Natur, sondern auch der Fremdenverkehr gefährdet ist.

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Madrid - Vor dem Ausverkauf der Küste warnt der spanische Greenpeace-Präsident Juan López de Uralde: "Die letzten freien Abschnitte werden zugebaut", erklärte der Umweltschützer, als er dieser Tage die Studie "Zerstörung um jeden Preis" vorlegte.

Allein im vergangenen Jahr wurden 768.000 Wohnungen genehmigt. 58 neue Golfplätze sollen zu den bereits bestehenden 300 hinzukommen, und 77 zusätzliche Jachthäfen sollen gebaut werden. 2200 Hektar Land wurden zu Bauland erklärt, darunter selbst Grundstücke in Naturschutzgebieten.

Die von Greenpeace vorgelegte Statistik spricht Bände: Von 1990 bis 2000 wuchs die spanische Bevölkerung um knapp fünf Prozent. Gleichzeitig wurden 25,4 Prozent mehr Wohnungen gebaut. "Diese Tendenz erfasst jetzt die letzten naturbelassenen Winkel der Küste", heißt es im Bericht.

Illegale Wohnungen

34 Prozent der Küste sind bereits verbaut. Im südspanischen Andalusien sind es gar 59 Prozent. Und im ostspanischen Valencia gibt es nur noch dort freie Flächen am Meer, wo Naturschutzgebiete eingerichtet wurden. Im Luxusbadeort Marbella stehen 20.000 illegale Wohnungen. Anstatt auf den Abriss zu bestehen, wird die Regionalregierung voraussichtlich eine Bauamnestie erlassen.

Zwar hat die sozialistische Umweltministerin Cristina Narbona immer wieder beteuert, ein Gesetzespaket auszuarbeiten, um die Regionalregierungen zum Handeln zu zwingen, "doch der Küstenplan wurde bis jetzt nicht vorgelegt", kritisiert Greenpeace.

Massentourismus

Was am schwersten wiegt: Der Tourismus mit "Sonne und Strand" geht stetig zurück. Spanien kann mit billigeren Anbietern am Mittelmeer nur schwer konkurrieren. Massentourismus ist somit nur noch für die Bauspekulanten attraktiv. Die Regionalverwaltungen geben bereits jetzt 25 Prozent mehr aus, um Straßen, Strände oder Flughäfen in Stand zu halten, als sie durch die Steuern am Massentourismus verdienen.

Korruptionsverdacht

Doch auf Gemeindeebene stört dies kaum jemanden, denn die Bauwut füllt dort erst einmal die chronisch leeren Kassen. Gebühren und Steuern für Baugenehmigungen sowie der Verkauf gemeindeeigener Grundstücke sind längst zur Haupteinnahmequelle der Rathäuser geworden.

Schon ermittelt die EU gegen die Provinzregierung von Valencia wegen Korruption im Baugewerbe.(Reiner Wandler aus Madrid, DER STANDARD Printausgabe 7.7.2005)

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    Luxusapartments direkt am Wasser sind nicht selten illegale Bauten

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