Umsatzrekorde heimischer Auktionshäuser

11. Juli 2005, 22:04
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Sowohl "im Kinsky" als auch im Dorotheum herrscht Jubelstimmung

Ein Blick auf das erste Halbjahr 2005 belegt: Österreichs Auktionshäuser freuen sich über die bislang höchsten Umsätze, die es je in einem Halbjahr zu verbuchen gab.


Wien - Die Zuwachsraten sind erfreulich, um nicht zu sagen gigantisch. Bereits 2004 herrschte "im kinsky", ob einer Umsatzsteigerung von 84 Prozent, Jubelstimmung - die aktuelle toppte mit weiteren 66 Prozent alle Erwartungen. Die im ersten Halbjahr mit drei Auktionen eingespielten 9,8 Millionen Euro markieren für das erste private Auktionshaus Österreich das beste innerhalb von sechs Monaten erwirtschaftete Ergebnis der Unternehmensgeschichte.

Und das spiegelt sich auch in der Liste der zehn höchsten Auktionszuschläge auf heimischem Boden wider: Mit einem Meistbot von 400.000 Euro für Egon Schieles im April versteigertes Knabenbildnis führt "im kinsky" dieses Ranking an. Für das aus deutschem Privatbesitz stammende Bildnis eines jungen Mannes aus dem Jahr 1911 hatte sich der amerikanische Bieter gegen harte Telefonkonkurrenz durchsetzen müssen. Die in derselben Auktion einem Schweizer Schiele-Fan zugeschlagene Liegende aus dem Jahr 1918 findet sich - mit stattlichen 180.000 Euro - an zehnter Position.

Einige Gassen weiter freut man sich im Dorotheum ebenso über das bislang beste Halbjahr. Im Vergleich zu 2004 betrugt die Steigerung dabei 21 Prozent: Vergangenes Jahr summierten sich die Meistbote aus zwei Auktionswochen auf 10,1 Millionen Euro - die aktuelle Bilanz liegt bei 12,22 Millionen Euro. Und das sind nur die Nettoumsätze aus den Auktionswochen.

Ein Meilenstein in der Geschichte des ehrwürdigen und 2001, im Jahr seines 100-jährigen Jubiläums privatisierten Unternehmens feierte man Anfang Juni. Die Zuschläge der zweiten Auktionswoche 2005 summierten sich 7,38 Millionen Euro und damit auf den bisher höchsten Nettowochenumsatz (Vergleich Juni 2004: 5,18 Millionen).

Als maßgeblicher Umsatzbringer entpuppte sich die Sammlung Lill (255 Objekte). Die in mehreren Sparten-Sitzungen versteigerte Kollektion verbuchte allein einen Reinerlös von 3,26 Millionen Euro, der gemäß dem Wunsch des 2004 verstorbenen Chirurgen Heinrich Lill dem Verein Rettet den Stephansdom zugute kamen.

Zum Toplos wurde Egon Schieles Weiblicher Akt mit violetten Strümpfen. Das 1919 ausgeführte Blatt wechselte für 380.000 Euro und damit dem höchsten im Dorotheum im ersten Halbjahr erzielten Hammerpreis ins Ausland.

Deutlich öfter als in vergangenen Saisonen hat der Bereich angewandter Kunst eine Rolle gespielt. Während sechsstellige Ergebnisse zumeist der Sektion bildender Kunst vorbehalten sind, schafften aktuell drei Objekte die Aufnahme in das Top-Ten-Ranking.

Mit 320.000 Euro für eine 18-karätige Patek-Philippe-Minutenrepetition aus dem Jahr 1910 verbuchte das Dorotheum den höchsten jemals für eine Uhr in Österreich erzielten Zuschlag. An der vierten Stelle findet sich ein Paradestück österreichischen Jugendstils: Für den von Josef Hoffmann und Kolo Moser 1903 für das Stiegenhaus der Wiener Werkstätten in der Neustiftgasse entworfenen Luster fiel der Hammer zugunsten eines New Yorkers bei 250.000 Euro (brutto 354.000 Euro).
(irr/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.7.2005)

Von
Olga Kronsteiner
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