A10: Frontalzusammenstoß mit 2,12 Promille im Blut

8. Juli 2005, 15:56
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Geisterfahrer tötete drei Menschen - Lastwagenfahrer war bei der Ausfahrt aus dem Tauerntunnel auf die falsche Spur geraten

Schwer betrunken war der Lkw-Lenker, der auf der Tauernautobahn als Geisterfahrer drei Menschen tötete. Er war bei der Ausfahrt aus dem Tauerntunnel auf die falsche Spur geraten. Bauliche Sicherheitsmaßnahmen seien dort aber schwer, bedauert man bei der Asfinag.

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Salzburg/Wien - Bis zum letzten Moment fährt der 34-Jährige noch korrekt. Keine Schlangenlinien, keine Unsicherheit sind auf den Bildern aus der Überwachungskamera des Tauerntunnels zu sehen, nur ein Scheinwerferlicht ist defekt. Erst bei der Tunnelausfahrt reißt der Oberösterreicher das Steuer seines Lkws plötzlich nach links - und wird zum Geisterfahrer. Was auf dem Video nicht mehr zu sehen ist: drei Kilometer weiter prallt das Schwerfahrzeug bei Flachauwinkl gegen ein Auto mit einer Familie - drei Menschen sterben.

"Es ist eigentlich ein Wunder, dass er heil durch den Tunnel gekommen ist", ist man bei der Autobahnpolizei St. Michael im Lungau am Mittwoch noch immer fassungslos. 2,12 Promille Alkohol wurden bei dem Unglücksfahrer aus Grünau im Almtal festgestellt. Wie lange der Mann schon im Vollrausch unterwegs war, wissen die Ermittler noch nicht.

Lenker und Kinder starben noch an der Unfallstelle

Sicher ist, dass er gegen 21.45 Uhr auf der Überholspur der Richtungsfahrbahn Villach gegen das Auto eines in Deutschland wohnenden türkischen Staatsbürgers prallte. Der 42-jährige Lenker und seine beiden Kinder starben noch an der Unfallstelle, seine Ehefrau und der 20-jährige Sohn wurden ebenso wie der Lkw-Fahrer verletzt. Durch die Wucht der Kollision wurde die Vorderachse des Lkw weggerissen.

Geisterfahreralarm wurde aber nicht nur auf der Tauernautobahn gegeben. In der Nacht zum Mittwoch stoppte die Exekutive östlich von Innsbruck einen 27-Jährigen, der mit seinem Rad auf der A12 unterwegs war. Der völlig orientierungslose Mann war auf einer Feier gewesen, hatte 1,56 Promille und keine Ahnung wie er auf die Autobahn geraten war. Gegen neun Uhr meldeten Autofahrer dann auf der Rheintalautobahn A14 einen Mofalenker, der von Rankweil nach Klaus zehn Minuten lang auf dem Pannenstreifen gegen die Fahrtrichtung fuhr.

233 Warnungen heuer

In den vergangenen 17 Jahren gab es auf den heimischen Autobahnen und Schnellstraßen insgesamt 216 Unfälle mit Geisterfahrern, bei denen Menschen zu Schaden kamen (siehe Grafik). Die Zahl der Meldungen liegt aber deutlich höher. 550-mal warnte die Ö3-Verkehrsredaktion im Vorjahr vor Falschfahrern. Ein Rekord, der heuer übertroffen werden könnte - mit 233 Meldungen lag man im ersten Halbjahr über dem Vorjahreswert.

Alkohol spielt bei rund jedem zweiten Vorfall eine Rolle. Zumindest für Lkw-Fahrer soll das unmöglich werden, wünscht sich der Autofahrerclub ÖAMTC. Wie in Skandinavien sollten in Schwerfahrzeuge Vorrichtungen eingebaut werden, die ein Starten nur nach Alkoholkontrolle ermöglichen.

Bauliche Maßnahmen, um Unfälle wie in Salzburg zu verhindern, seien dagegen schwierig, bedauert Harald Dirnbacher vom Autobahnbetreiber Asfinag. "Wir haben uns schon vor Jahren überlegt, wie man Ein- und Ausfahrten einröhriger Tunnel sicherer machen könnte, sind aber zu keinem wirklich überzeugendem Ergebnis gekommen." Das Problem: fixe Mitteltrennungen im Tunnel würden Rettungsmaßnahmen erschweren. Spannt man Ketten, steigt die Unfallgefahr, ist Dirnbacher überzeugt. (Michael Möseneder, DER STANDARD Printausgabe 7.7.2005)

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    2,12 Promille hatte der Lkw-Fahrer, als er im Tauerntunnel auf die falsche Spur fuhr - drei Kilometer weiter zermalmte er das Auto einer Familie und tötete drei Menschen

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