Logo-Streit: 86-jähriger Grafiker "muss das richtigstellen"

31. Juli 2005, 18:22
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Der Tiroler Grafiker Nikolai Borg behauptet das berühmte VW-Logo erfunden zu haben - Ein Wiener Gericht muss den Streit mit dem deutschen Autokonzern schlichten

Wien - "Sind Sie kampfeslustig?" - Dem rüstigen 86-jährigen Tiroler mit weißem Haar und gleichfarbigem Hemd werden zur Begrüßung im 19. Stock des Wiener Justizzentrums mehrere Mikrofone entgegengestreckt.

Da er mit dem Lift raufgekommen ist, hat er Luft genug, ein kräftiges: "Kampfeslustig? Jawohl!" anzustimmen. Als hätte VW keine anderen Sorgen.

Gebrauchsgrafiker Nikolai Borg will das in seiner Schlichtheit geniale VW-Logo erfunden haben, nicht mehr und nicht weniger. Da er es wirklich will, hat er den Milliardenkonzern nach einem halben Jahrhundert außergerichtlicher (wie auch vergeblicher) Bemühungen geklagt. "Ich muss das historisch richtig stellen", sagt er. Auch Geld würde er dafür nehmen, aber das sei nicht so wichtig.

Markenwettbewerb

Seine Wahrheit vom Logo beginnt mit einem Markenwettbewerb 1939 an der Berliner Hochschule, an der er Kunst studierte. Unter 5000 Teilnehmern gewann er den Preis "zur Erlangung eines sinnbildlichen Kurzzeichens für den Reichsverband für Deutsche Jugendherbergen".

Bald danach sei er vom Reichsarbeitsminister und Generalinspekteur für das deutsche Straßenwesen, Fritz Todt, beauftragt worden, drei Symbole zu entwickeln: eines für das KdF-Seebad auf Rügen, eines für die neue Reichsautobahn, und ein drittes für das Volkswagen-Werk.

Noch im Sommer 1939 will er seine Entwürfe abgegeben haben. Am 1. September 1939 marschierte Hitler in Polen ein. Die Logosuche wurde auf die Zeit "nach dem großen Endsieg" verschoben.

1943 will Soldat Borg auf der Radkappe eines VW-Kübelwagens der deutschen Wehrmacht "sein" Zeichen entdeckt haben. Nach seiner Kriegsgefangenschaft begab er sich in Berlin auf Spurensuche und fand seine alten Entwürfe in einem Keller. 1952 meldete er bei der Direktion des Volkswagenwerkes den Anspruch auf Urheberrecht an. Die Rechtsabteilung bedauerte: Das entsprechende Logo sei von der Porsche KG vorgeschlagen und auch entworfen worden.

Keine "amikale Beziehungen"

"Was machen die amikalen Beziehungen der beiden Streitteile?", fragt 53 Jahre später eine junge Richterin im Wiener Handelsgericht. Da geschwiegen wird, machen sie nicht viel. VW ist (in Person eines seiner Anwälte) überzeugt, dass das Logo schon 1938 im Umlauf war, und bemüht sich, dies mit Sonnenrädern, Zahnkränzen, Freistempeln und Ähnlichem zu belegen.

An der Darstellung des Klägers hat die Vertretung des Konzerns gröbere Zweifel. Arbeitsminister Todt sei damals auch gar nicht befugt gewesen, ein VW-Logo in Auftrag zu geben. Der Zivilrechtsprozess wird sich mit Zeugeneinvernahmen in den Herbst ziehen. (Daniel Glattauer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 07.07.2005)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Grafiker Nikolai Borg mit seinen ersten Entwürfen für das berühmte Volkswagen-Logo.

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