5. Etappe: McEwen schlägt Boonen

28. Juni 2006, 17:11
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Vom Glück der Flüch­tigen kann weiter nicht die Rede sein, also wurde auch Etappe fünf im Sprint entschieden - Eisel ging die Luft aus, Totschnig verkühlt, Armstrong weiter in Gelb

Montargis - Tom Boonen hat am Mittwoch auf der fünften Etappe der 92. Tour de France über 183 km von Chambord nach Montargis seinen Bezwinger gefunden. Der Australier Robbie McEwen, der am Montag noch wegen unfairer Fahrweise von Platz drei auf 186 strafversetzt worden war, besiegte den Belgier im Massensprint und verhinderte dessen dritten Etappensieg. Der sechsfache Tour-Sieger Lance Armstrong (USA) behauptete das Gelbe Trikot des Gesamt-Führenden souverän.

Eisel Siebenter, Wrolich 15.

Der Steirer Bernhard Eisel, der 80 Kilometer vor dem Ziel so wie auch der Vorjahres-Dritte Ivan Basso (ITA) gestürzt war und wieder den Anschluss geschafft hatte, sprintete nach dem vierten Platz auf der dritten Etappe erneut unter die Top Ten und wurde Siebenter. Der Kärntner Peter Wrolich, der am Montag mit Rang zwei den besten Etappenplatz eines Österreichers in der Nachkriegszeit errungen hatte, kam als 15. ins Ziel.

Totschnig verkühlt

Sein Gerolsteiner-Teamkollege Georg Totschnig, Gesamt-Siebenter des Vorjahres, landete auf Platz 52 und ist als 67. mit 3:55 Minuten Rückstand bester Österreicher in der Gesamtwertung. Der Tiroler hat seit dem Mannschaftszeitfahren am Dienstag mit einer Verkühlung zu kämpfen, gibt sich aber kämpferisch: "Aufgeben tut man einen Brief."

Eisel: "Der Gang war zu schwer"

Baden Cooke hatte für Eisel den Sprint angezogen. "Die letzten 300 Meter waren extrem schwer. Die Strecke führte bergauf und außerdem herrschte Gegenwind. Ich wollte Cooke von rechts überholen, um seinen Windschatten besser auszunützen. Doch ich brachte meine Übersetzung nicht auf die Straße, der Gang war zu schwer", bilanzierte der Steirer und ergänzte: "Normalerweise sind solche Sprints meine Stärke, aber heute habe ich mich einfach verspekuliert. Mit meiner Form bin ich sehr zufrieden, mit diesem Sprint weniger. Es war der schlechteste des Jahres."

McEwen revanchierte sich mit dem Sieg für die seiner Meinung nach unberechtigte Bestrafung vor zwei Tagen: "Das hat mich schon sehr frustriert. Ich habe heute gezeigt, wer der Schnellste ist", meinte der Davitamon-Lotto-Sprinter und fügte hinzu: "Es war mir eine besondere Genugtuung, Boonen zu schlagen." Trotzdem behauptete der Belgier seine Führung in der Sprint-Wertung.

Ruhiger Tag für die Favoriten

Die aussichtsreichsten Kandidaten für den Gesamtsieg, Lance Armstrong, Jan Ullrich, Alexander Winokurow und Ivan Basso, erlebten einen stressfreien Tag und hielten ihre Positionen im Gesamtklassement. Spitzenreiter Armstrong liegt weiter 55 Sekunden vor seinem Discovery Channel-Teamgefährten George Hincapie und 1:36 Minuten vor dem auf Rang 14 liegenden Ullrich, der seinen "Heimspielen" in Karlsruhe und Pforzheim am Freitag und Samstag entgegenfiebert. "Das war ein schöner Arbeitstag heute. Wir sind ohne Sturz über die Runden gekommen, obwohl es wie immer hektisch war", meinte Ullrich, Tour-Sieger von 1997.

Vier Ausreißer

Am Mittwoch waren lange vier Ausreißer (u.a. der Spanier Juan Antonio Flecha) vorne. Sie profitierten vom anfangs gemäßigten Tempo. Aber die Sprinter-Teams sorgten elf Kilometer vor dem Ziel für den Zusammenschluss, so dass es zum dritten Massensprint dieser Tour kam. Laut Armstrong könnte sich dieses Szenario noch einige Male wiederholen: "Ich glaube, Boonen will noch einige Etappen gewinnen. Das kann uns nur Recht sein, dann ist mein Team bei der Verteidigung des Trikots nicht so gefordert." (APA/red)

5. Etappe, 183 km, Chambord - Montargis:
1. Robbie McEwen (AUS/Davitamon-Lotto) 3:46:00 Stunden (Schnitt: 48,584 km/h) - 2. Tom Boonen (BEL/Quick Step) - 3. Thor Hushovd (NOR/Credit Agricole) - 4. Stuart O'Grady (AUS/Cofidis) - 5. Angelo Furlan (ITA/Domina Vacanze) - 6. Allan Davis (AUS/Liberty Seguros) - 7. Bernhard Eisel (AUT/FDJeux.com) - 8. Baden Cooke (AUS/FDJeux.com) - 9. Jens Voigt (GER/Team CSC) - 10. Robert Förster (GER/Gerolsteiner) - weiter: 15. Peter Wrolich (AUT/Gerolsteiner) - 30. Jan Ullrich (GER/T-Mobile) - 35. Alexandre Winokurow (KZK/T-Mobile) - 45. Lance Armstrong (USA/Discovery Channel) - 52. Georg Totschnig (AUT/Gerolsteiner) - 114. Gerrit Glomser (AUT/Lampre-Caffita) alle gleiche Zeit

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    Bernhard Eisel (zweiter von links) wurde von einem Mannschaftskollegen in Position gebracht, konnte aber im entscheidenden Moment nicht mehr zusetzen.

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    McEwen (re) schnappte sich das Hinterrad von Boonen (li) und sprintete aus dem Windschatten des zweifachen Etappensiegers zum Erfolg.

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