Wenn es Nacht wird im Dschungel

6. Juli 2005, 17:01
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"Tropical Malady" von Apichatpong Weerasethakul als Preview bei Kino unter Sternen und im Filmcasino

Der thailändische Filmemacher Apichatpong Weerasethakul gehört gegenwärtig zu jenen Ausnahmeerscheinungen im Weltkino, die mit einer genuin eigensinnigen Vision aufwarten können: Dokumentarische, mythologische und populärkulturelle Elemente kombiniert er zu neuen Formen.

Der Dschungel ist dabei ein wiederkehrender Topos: Schon 'Blissfully Yours' taucht nach der ersten Hälfte mit dem Protagonistenpaar in diesen ein, was dem Film eine völlig andere Intensität verleiht. Diese zweiteilige Struktur kennzeichnet nun auch 'Tropical Malady': Am Beginn steht noch die realistische Beschreibung der Annäherung zwischen den Männern Keng und Tong. Dann ist der Film abrupt zu Ende, ein anderer beginnt. Es herrscht Nacht im Dschungel, Farben strahlen grünlich. Ein abgängiger Dorfbewohner wird gesucht. Der Verfolger wandelt sich in einen Tiger.

Mit einem Mal ist der Film in den Modus der Legende gewechselt – eine Wahrnehmungsverschiebung, die Weerasethakul mit den Augen der Wildnis auf die Zivilisation blicken lässt.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.7.2005)

Von Dominik Kamalzadeh

Preview am 28.7. 21.30 bei Kino unter Sternen und am 8.8. 19.15 im Filmcasino

  • "Tropical Malady"
    foto: kino unter sternen

    "Tropical Malady"

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