Der Preis der hohen Schneiderkunst

18. November 2005, 21:10
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Nicht nur der Anspruch für Haute-Couture ist hoch, sondern auch der finanzielle Aufwand. Über ihre Zukunft wird nachgedacht

Dieser Tage werden in Paris die Haute-Couture-Kollektionen für Herbst und Winter 2005/2006 präsentiert. Mut und Zuversicht sind zur Zeit die wichtigsten Eigenschaften alter und neuer Modehäuser. Bei 17 Schauen der bekannten Luxusmarken wie Chanel und Dior, aber auch von kleineren Namen wie Franck Sorbier oder Adeline Andre, wird weiterhin der goldene Mittelweg gesucht zwischen ruinösem Publicity-Spektakel und der Fabrikation für real existierende Kundinnen.

Kreis der besten Schneider

Haute Couture ist eben immer noch mit hohen Anforderungen verbunden, die zu erfüllen sich immer weniger Häuser leisten können. Kaum zu glauben, dass es 1945 bei der Einführung der strengen Kriterien für diesen Kreis der besten Schneider noch 106 Mitglieder der Haute Couture gab. Maßgeschneidertes war damals bei Damen von Welt oder Geld die Regel, doch die Einführung des Luxus-Pret-a-porter in den sechziger Jahren ließ viele Firmen aussteigen. Immer mehr Modehäuser verlegen ihre Interesse auf einträgliche Geschäfte wie Pret-a-porter, Parfüms oder Accessoires.

Dabei sind die Vorschriften, die maßgeschneiderte, von Hand genähte Modelle, eine bestimmte Zahl von Angestellten in den Salons und eine Mindestzahl vorzustellender neuer Kleider verlangten, schon deutlich abgeschwächt worden. So muss eine Haute-Couture-Marke nur noch 25 statt 50 Modelle pro Saison vorführen. Auch "korrespondierende" und "eingeladene" Mitglieder wurden dazugebeten, um den Mangel an Masse auszugleichen. Dennoch ist der finanzielle Einsatz enorm. Durchschnittlich dauern die Präsentationen zwanzig Minuten, die Kosten liegen zwischen einer und vier Millionen Euro.

Semi-Couture statt Haute Couture

Einige Experten denken daher über eine Art "Semi-Couture" nach, die weniger kostspielig und schneller in der Herstellung sein könnte. Doch solange dies nur Gedankenspiele sind, werden einige Häuser den superteuren Shows weiter fernbleiben. Jüngster Aussteiger ist Emanuel Ungaro, der im Jänner immerhin noch eine Showroom-Präsentation organisiert hatte.

Bei Jean-Paul Gaultier ist in diesem Jahr ein Sozialplan in Kraft getreten und Christian Lacroix musste seine Marke an den US-Duty-free-Riesen Falic verkaufen. Das scheint dem 54-jährigen Franzosen gut zu bekommen, verlautet doch aus seiner Umgebung, die Amerikaner ließen ihm endlich die kreative Freiheit, die der vorherige Eigentümer LVMH so einengte.

Was die großen Partys anlangt, so hält sich die Modewelt diesmal auffällig zurück. Auch die von Chanel, Dior und Gaultier vor einem Jahr vorgeschlagene "Luxuswoche" ist bisher nur eine Idee geblieben. Allerdings wird Chanel ein Schmuckgeschäft eröffnen, während Guerlain eine Filiale auf der Pariser Prachtstraße Champs-Elysees einweiht. (apa/red)

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