Abbas für weiteres Gipfeltreffen mit Sharon

9. Juli 2005, 15:27
2 Postings

Vor Beginn des Abzugs aus dem Gazastreifen - Israel bemüht sich um Finanzhilfe der USA - Sperranlage im Dezember ensatzbereit

Jerusalem - Vor dem israelischen Abzug aus dem Gazastreifen halten die Palästinenser ein weiteres Gipfeltreffen für denkbar. Der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas (Abu Mazen) sagte in einem Interview der Londoner Zeitung "Al-Asharq al-Awsat", nach der Begegnung am 21. Juni in Jerusalem könnte er vor Mitte August ein weiteres Mal mit Ministerpräsident Ariel Sharon zusammentreffen.

Am Dienstagabend kam der israelische Verteidigungsminister Shaul Mofaz mit dem palästinensischen Innenminister Nasser Yussef zusammen, um über Details des Abzugs zu beraten.

USA soll finanziell unterstützen

Zur Finanzierung der Abzugskosten von etwa 1,7 Milliarden Euro will Israel Washington um Unterstützung bitten. Eine israelische Delegation werde ihre Wünsche in der nächsten Woche in Washington darlegen, teilte ein Regierungsbeamter mit. Dabei gehe es um einen Betrag von mehreren hundert Millionen Dollar.

Die israelische Regierung will auch Vorkehrungen zu einem Aufruf von Abzugsgegnern treffen, sich am 18. Juli massenhaft in die jüdischen Siedlungen im Gazastreifen zu begeben. Es werde erwogen, die Region für alle Personen zu sperren, die dort keinen Wohnsitz haben, teilte Sharon-Berater Raanan Gissin mit. Radikale Siedler und ihre Anhänger haben in den vergangenen Wochen wiederholt versucht, das öffentliche Leben mit Blockaden lahm zu legen. Wenn der Beginn des Abzugs näher rückt, wollen sie diesen Widerstand noch verstärken.

Israelische Sperranlage im Dezember "einsatzbereit"

Der israelische Vize-Verteidigungsminister erklärte weiters, dass die Sperranlage zum Westjordanland bereits im Dezember "einsatzbereit" sein soll. Die Arbeiten verzögerten sich in einzelnen Abschnitten, gingen aber insgesamt schnell voran, sagte Zeev Boim am Mittwoch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Ganz fertig solle die Anlage 2006 sein.

Die israelische Sperranlage zum Westjordanland, die 650 Kilometer lang werden soll, ist international umstritten. Sie schließt mehrere palästinensische Ortschaften ein und erschwert deren Bewohnern die Mobilität. Die Palästinenser befürchten außerdem, Israel könne damit vollendete Tatsachen für den späteren Grenzverlauf eines Palästinenserstaates schaffen. Der Internationale Gerichtshof in Den Haag hatte die Anlage vor einem Jahr für völkerrechtswidrig erklärt.

Weltbank denkt Finanzierung einer Transitstrecke an

Unterdessen schlug die Weltbank vor, den Gazastreifen und das Westjordanland mit einer vertieften Straße zu verbinden, so dass Fahrzeuge die Straße auf der 40 Kilometer langen Transitstrecke nicht verlassen können. Auf dem Flughafen und im Seehafen Gaza könnten ausländische Sicherheitsinspektoren zum Einsatz kommen, schlug der der für den Nahen Osten zuständige Weltbank-Direktor Nigel Roberts vor. Allerdings werde die internationale Gemeinschaft das Verhalten von Israelis und Palästinensern im Anschluss an dem Abzug aus dem Gazastreifen sorgfältig zu prüfen haben, ehe sie zu Investionen bereit sei, sagte Roberts der Nachrichtenagentur AP. (APA/AP)

Share if you care.