Schmiergeldaffäre um gekaufte Sportübertragungen: Wahrscheinlich kein Einzelfall

8. Juli 2005, 11:32
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Jürgen Emig in Untersuchungshaft - Staatsanwalt fordert ARD-Sender zur genauen Prüfung auf

Die Schmiergeldaffäre um gekaufte Sportübertragungen im Hessischen Rundfunk (hr) ist nach Einschätzung der Strafverfolger wahrscheinlich kein Einzelfall. "Es würde mich schon sehr wundern, wenn dieses System nur in Frankfurt und Leipzig angewendet worden sein sollte", sagte der ermittelnde Oberstaatsanwalt Wolfgang Schaupensteiner am Mittwoch in Frankfurt.

Die Intendanten der übrigen ARD-Sender wären seiner Meinung nach gut beraten, in ihren eigenen Häusern ganz genau hinzusehen und die Probleme nicht nur bei anderen zu vermuten. Schaupensteiner ist Chef der Anti-Korruptionsabteilung der Frankfurter Staatsanwaltschaft.

Untersuchungshaft

Der frühere hr-Sportchef Jürgen Emig steht im Verdacht, über die Marketing-Firmen seiner Ehefrau und eines engen Freundes Schmiergelder für die Übertragung bestimmter Sportereignisse verlangt und angenommen zu haben. Der 59-Jährige sitzt seit vergangener Woche in Untersuchungshaft (etat.at berichtete). Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft waren die von den Sportveranstaltern gezahlten "Produktionszuschüsse" nicht direkt an den Sender, sondern an die zwei zwischengeschalteten Agenturen gegangen und dort zum Teil einbehalten worden.

Die Agenturen waren auch an Übertragungen des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) beteiligt. Dieser hat am Montag Sportchef Wilfried Mohren vom Dienst suspendiert. Einzelheiten zu den laufenden Ermittlungen nannte Schaupensteiner nicht. (APA/dpa)

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