Deutschland: Plädoyer für flexible Arbeitszeit-Modelle

6. Juli 2005, 14:02
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Rürup legte Gutachten vor - Ministerin Schmidt: Elterngeld spätestens 2008

Berlin - Familienfreundlichere Arbeitszeiten, bessere Kinderbetreuung und das geplante Elterngeld könnten für mehr Beschäftigung und Wachstum ebenso wie für eine höhere Geburtenrate in Deutschland sorgen. Das geht aus einem Gutachten hervor, das der Wirtschaftssachverständige Bert Rürup am Mittwoch in Berlin gemeinsam mit der deutschen Familienministerin Renate Schmidt vorstellte.

Die SPD-Politikerin machte sich erneut für flexible Modelle wie Gleitzeit, Arbeitszeitkonten, Telearbeit oder Job-Sharing nicht nur zu Gunsten von Eltern, sondern auch für Angehörige pflegebedürftiger älterer Menschen stark.

"Große" Teilzeitstellen

Teilzeitarbeit müsse sich nicht auf den klassischen Vormittag beschränken. So zeige das Gutachten eine große Nachfrage nach "großen" Teilzeitstellen mit etwa 300 Wochenstunden.

Könnten Frauen diesen Wunsch verwirklichen, würden Rürup zufolge rund 936.000 zusätzliche Arbeitskräfte benötigt. Von einer nachhaltigen Familienpolitik mit entsprechend koordinierten Arbeitszeiten, gepaart mit dem Ausbau der Kinderbetreuung und dem angekündigten Elterngeld, seien positive Wirkungen nicht nur für Beschäftigte und Betriebe, sondern auch für das wirtschaftliche Wachstum zu erwarten, erklärte der deutsche Regierungsberater. Zudem ließe sich eine Steigerung der Geburtenrate in den nächsten 15 Jahren von derzeit 1,3 auf 1,7 erreichen.

Elterngeld spätestens 2008

Das von Schmidt lange angedachte und nun im SPD-Wahlprogramm verankerte Elterngeld wird nach Einschätzung der Ministerin im Falle eines Wahlsiegs im Herbst erst 2008 verwirklicht werden können. "Das geht nicht in wenigen Monaten", erklärte sie. Zunächst müssten die Betreuungsmöglichkeiten für Kinder unter drei Jahren weiter ausgebaut werden. Wenn dies schneller vorangehe als gedacht, schließe sie die Einführung des Elterngeldes schon 2007 nicht aus.

Das Modell nach schwedischem Vorbild sieht ein am bisherigen Einkommen orientiertes Elterngeld für Mütter und Väter vor, die sich eine Zeit lang der Kindererziehung widmen. Es soll etwa zwei Drittel des letzten Nettoeinkommens betragen, gedeckelt durch die Beitragsbemessungsgrenze, und im Anschluss an die zwei Monate Mutterschutz für maximal zehn Monate bezahlt werden. Für Nichterwerbstätige ist ein Sockelbetrag von 300 Euro geplant. Die Mehrkosten im Vergleich zum bisherigen Erziehungsgeld bezifferte Schmidt auf 1,3 Milliarden Euro. Dies hielt auch Rürup angesichts eines Gesamtbudgets von 251 Milliarden Euro für finanzierbar.

Keine Nachteile für Alleinerziehende

Schmidt wies Vorwürfe zurück, mit dem einkommensabhängigen Elterngeld würden GutverdienerInnen bevorzugt. Es bedeute vielmehr für einen großen Teil der Familien eine Verbesserung. Wer sich für Kinder entscheide, solle keine dramatischen Einkommenseinbußen hinnehmen müssen und als Alleinerziehende/r nicht auf Sozialhilfe angewiesen sein. Als Idealziel beschrieb Schmidt die Möglichkeit, ein Jahr ohne finanzielle Not aussetzen und dann das Kind in guter Betreuung unterbringen zu können. (APA)

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