"Autoritäres Schulsystem"

16. März 2006, 12:23
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AKS-Umfrage stellt der Schul-Demokratie ein schlechtes Zeugnis aus

Wien - "Schüler müssen ein autoritäres System ertragen", sagt die Aktion Kritischer Schüler (AKS) anlässlich ihrer kürzlich veröffentlichten Umfrage Disa (Democracy in Schools of Austria). "Wir kritisieren, dass es nach Pisa eine Konzentration auf die Leistungen der Schüler gibt, nicht aber auf ihr Demokratiebewusstsein", sagt AKS-Bundesvorsitzende Kim Kadlec dem SCHÜLERSTANDARD. Aus den Fragebögen wurde daher ein schiefer Turm vor dem Bildungsministerium gebaut.

20.000 Schüler aus ganz Österreich wurden zur demokratischen Beteiligung im Schulsystem befragt - nun liegt das Ergebnis von vorerst 12.000 ausgezählten Bögen vor.

Ernüchternd ist dieses für die Schülervertretung. 62 Prozent geben an, ihre Vertreter auf Landesebene nicht zu kennen, was laut AKS an dem indirekten Wahlsystem liegt. "Würde in jeder Schule gewählt werden, würde sich der Bekanntheitsgrad steigern und die Vertretung mehr Gewicht bekommen", so Kadlec. Außerdem könne die Wahl darauf vorbereiten, "mit seiner Stimme umzugehen".

Bedenklich stimmt Kadlec auch, dass sich nur 8,1 Prozent im Konflikt mit einer Lehrperson gleichberechtigt fühlen. Schlecht steht es auch um Schülerzeitungen: 81 Prozent der Befragten kennen kein schuleigenes Medium und 78,7 Prozent bezweifeln, dass ein solches mit der vorherrschenden Infrastruktur in ihrer Schule zu organisieren wäre. "Das ist aber ein wichtiger demokratischer Eckpunkt", meint Kadlec.

Auch der Lehrplan wurde hinterfragt. Nur 31,9 Prozent der Schüler fühlen sich mit politischer Bildung im Unterricht versorgt. "Teilweise wird darauf ganz verzichtet", zeigt sich Kadlec besorgt. Die Forderung: "Ein eigenes Fach, neben Geschichte." (grill/DER STANDARD-Printausgabe, 28.6.2005)

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