"Jede Form der Auseinandersetzung und des Nachdenkens ist gut"

16. März 2006, 12:23
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Mit drei Fragen zu Österreichs Geschichte in die Hofburg

"Jetzt ist ein sinnvoller Zeitpunkt, Geschichte zu lernen", bezieht sich Raphaela Stock auf das Jubiläumsjahr. Die dreizehnjährige Schülerin aus der Steiermark ist eine der achtzehn Gewinner von "Schüler entdecken Geschichte", die in der Hofburg geehrt wurden. Der Inhalt des österreichweiten "Wissenswettbewerbs mit Glückselement" (Heinz Fischer) waren drei Fragen zur österreichischen Geschichte nach 1945.

Raphaela sieht sich in der Zukunft als Politikerin, daher war die Preisverleihung mit dem Bundespräsidenten für sie ein besonderer Anreiz mitzumachen. Fischer überreichte Bücherpakete und Rucksäcke und übte sich in Smalltalk mit den jungen Österreichern. "Ich habe ihn mir genauso vorgestellt, in Berichten kommt er auch so rüber", sagt David Koller (13) aus Oberösterreich über das Auftreten des Staatsoberhauptes.

Veranstaltet wurde das Zusammentreffen vom Buchklub der Jugend und dem Verlag Ueberreuter, die sich über rund 500 Antworten freuen konnten und auch die Buchpreise spendeten.

"Lesen ist Wissensvermittlung, Bewusstseinserweiterung und Kulturprodukt", sagt Fischer über die "geistige Beschäftigung", die neben der österreichischen Vergangenheit den Kernpunkt des Projekts bildete. "Die Welt des Buches ist unbegrenzt. Ich kann mir eine Welt ohne Buch nicht vorstellen", beschreibt er im Gespräch mit dem SCHÜLERSTANDARD den "hohen Stellenwert" den das Lesen in seinem Leben einnimmt.

Das Jubiläumsjahr war auch hier großes Thema und sollte Anstoß geben, sich der Geschichte bewusst zu werden. "Es gehört dazu, Jubiläen zu feiern und darüber nachzudenken", erklärt Daniel Just (13) aus Kärnten, was 2005 für ihn bedeutet. "Jede Form der Auseinandersetzung und des Nachdenkens ist gut", meint Traude Kogoj, Autorin des Buches "Ötzi, Sisi und Co", über junge Gedanken zur Geschichte. Auch Koautor Konrad Mitschka sieht in der Veranstaltung eine Chance, Jugendliche für aktuelles und vergangenes Geschehen zu begeistern: "Alle die heute gewonnen haben, werden das nie vergessen." In ihrem Buch geben sie einen Überblick über die Geschichte Österreichs von den ersten Einwohnern bis hin zur Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek. Leicht verständlich und pointiert versuchen sie damit auch junge Leser auf den Geschmack zu bringen.

Heinrich Neisser, Universitätsprofessor für Politikwissenschaften, ist ebenfalls von der Bedeutsamkeit der Vergangenheit überzeugt: "Man muss die österreichische Geschichte in den Grundzügen erklären, um die Gegenwart zu verstehen." (Julia Grillmayr/Anna Maria Nics, DER STANDARD-Printausgabe, 5.7.2005)

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    foto: standard/urban
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