"In meiner Schule wie Familie, hier formal"

16. März 2006, 12:23
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Über das Schulsystem in Lettland sowie Situationen, in denen auch österreichische Lehrer aktiv werden, sprach die frisch gebackene Maturantin Ilze Motivane (19) aus Riga

STANDARD: Hast du dich hier schnell einleben können?

Ilze: Ich habe schon früher ein Austauschjahr in Tattnang in Deutschland gemacht und gewusst, was mich erwartet. Es war leichter, hier zu sein, ich konnte es mehr genießen.

STANDARD: Hat es Unterschiede gegeben zwischen den Schulen, die du bisher besucht hast?

Ilze: In Riga gehe ich auf eine kleine Privatschule, ein katholisches Gymnasium. Wir sind dort nur zwölf Leute in der Klasse. In Tattnang war ich in einer Gesamtschule. Die Schulen waren sehr ähnlich, nur am Theresianum war es anders, irgendwie besonders.

STANDARD: Wie sieht das Schulsystem in Lettland aus?

Ilze: Es ist ähnlich wie in Deutschland. Zuerst geht man vier Jahre in die Volksschule, dann in eine Gesamtschule. Nach der neunten Klasse gibt es eine große Prüfung und dann entscheidet man, ob man weiterlernt oder auf eine Fachschule wechselt.

STANDARD: Welchen Eindruck haben die österreichischen Schüler bei dir hinterlassen?

Ilze: Zuerst kommen für sie Spaß und Freunde, aber in der Schule sind sie, um zu lernen. In Österreich spürt man, dass Ausbildung wichtig ist.

STANDARD: Wie hast du die Lehrer empfunden?

Ilze: Die Lehrer hier waren am nettesten. Ich hatte das Gefühl, wenn das Interesse von dir kommt, dann helfen sie dir, wenn nicht, lassen sie dich in Ruhe. Es ist wie auf der Uni - die Schüler werden wie Erwachsene behandelt.

STANDARD: Wie war das Schulklima für dich?

Ilze: In meiner kleinen Schule in Lettland ist es wie in einer Familie, hier ist alles formal.

STANDARD: Was sagst du zum Ergebnis der Pisa-Studie?

Ilze: Ich kann mir Pisa nicht erklären, für mich war der Unterricht interessant und ich habe hier wirklich viel gelernt.

(DER STANDARD-Printausgabe, 5.7.2005)

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