Maathai: Schuldenerlass kein Allheilmittel

14. Juli 2005, 12:56
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Nobelpreisträgerin verlangt bessere Regierungen

Sirte - Hilfen der reichen Länder für Afrika sind nach Ansicht von Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai kein Patentrezept, um den Kontinent aus der Armut zu befreien. Ein Schuldenerlass, verstärkte Hilfen und verbesserte Handelsbedingungen seien zwar unerlässlich, doch allein nicht ausreichend, sagte Maathai am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters in Libyen. Vielmehr müssten die Afrikaner auch dafür kämpfen, besser regiert zu werden.

Dabei gehe es um die Bekämpfung der Korruption und darum, die Politiker für deren Handeln zur Verantwortung zu ziehen. "Wir müssen weiter die Hindernisse und Ursachen der Armut beseitigen und bis zu deren Wurzeln vordringen", sagte die kenianische Umweltschützerin am Rande des Gipfeltreffens der Afrikanischen Union in Sirte.

Afrika müsse zu einem Punkt kommen, "an dem wir sagen, es ist inakzeptabel, dass ein Diktator in Afrika seinem Volk Geld stiehlt und es in ein Land wie Großbritannien bringt, wo es dann geschützt ist", sagte Maathai. Sie hoffe, dass vielen Besuchern der Live-8-Konzerte vor dem G-8-Treffen in Schottland bewusst sei, dass einige Banken in den reichen Ländern Gelder verwalteten, die sich afrikanische Herrscher in der Vergangenheit unrechtmäßig angeeignet hätten.

In Afrika leben mehr als 40 Prozent aller Menschen von weniger als einem Dollar am Tag (0,842 Euro). 200 Millionen Afrikaner sind von Lebensmittelknappheit bedroht, mehr als zwei Millionen Menschen sterben auf dem Kontinent jedes Jahr an der Immunschwächekrankheit Aids. Die Entwicklungspolitik und die Armut in Afrika stehen im Mittelpunkt des Gipfeltreffen der Gruppe der sieben führenden Industrienationen und Russlands, das am Mittwoch im schottischen Gleneagles beginnt. (APA/Reuters)

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