"Wahlen werden mit den Alten gewonnen"

8. Juli 2005, 10:46
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40.000 Jungwähler werden trotzdem umkämpft, weil es zumindest gut fürs Image ist

Wien - Geht es um den jüngsten Kandidaten für die kommende Wiener Gemeinderatswahl, haben die Wiener Grünen die Nase vorne: Florian Rabenstein, 19 Jahre jung.

Erstmals dürfen in Wien die 16- bis 18-Jährigen wählen. Bis zu 40.000 Jungwähler profitieren von der neuen Wahlregelung. Vier Mandate stehen damit zu Disposition, haben die grünen Parteistrategen schon ausgerechnet. Und um die wird heftig gekämpft.

MTV-Spots

So hat auch die SPÖ eine Kandidatin extra abgestellt: die jüngste Gemeinderätin Laura Rudas (24). Geworben wird sogar mit eigenen Spots auf dem Musiksender MTV.

Beim BZÖ setzt man vor allem in den Bezirken auf junge Mitstreiter, wie jung die Gemeinderatsliste aussehen wird, wisse man noch nicht. ÖVP und FPÖ gehen überhaupt einen anderen Weg. "Wir führen einen Wahlkampf für alle Wiener und Wienerinnen", bringt etwa Harald Vilimsky, FP-Landesparteisekretär, die Linie der Freiheitlichen auf den Punkt. Man habe genug Angebote für Jungwähler, heißt es aus FPÖ und ÖVP. Bei Letzterer verweist man auf den Gio-Nachtbus oder den Donaukanal-Sandstrand.

Der Wiener Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier glaubt allerdings, dass es "nicht genügt, nur junge Themen anzusprechen". Es brauche auch Repräsentanten, mit denen sich "die Jugendlichen identifizieren können". Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer spricht von einem "wirksamen Signal". Der OGM-Chef zum STANDARD: "Die jungen Erstwähler sind ein wesentlicher Imagefaktor, der nicht zu unterschätzen ist. Werden die angesprochen, dann ist das auch bei anderen Wählergruppen spürbar."

Zentrales Thema: Beruf

Einig sind sich Bachmayer und Heinzlmaier bei den Themen, die Jugendliche besonders interessieren: alles um den Beruf. "Es geht den Leuten um Zukunftsperspektiven, egal in welchen Feldern. Die Arbeitswelt steht da schon sehr im Zentrum", sagt Heinzlmaier. Erst kürzlich haben Meinungsforscher erhoben, welche politische Anliegen für die unter 20-Jährigen in Wien wichtig sind: Fast alle (96 Prozent) nannten demnach die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und zirka ebenso viele (92 Prozent) fordern mehr Geld für Bildung.

Am meisten profitieren könnten die Grünen von den Jungwählern, glauben Bachmayer und Heinzlmaier. Die "Aura des Nichtinstitutionalisierten" sei anziehend, sagt der Jugendforscher. Und in Richtung anderer Parteien: "In Wien ist es ja nicht schlecht, eine Pensionistenpartei zu sein. Die Wahlen werden hier mit den Alten gewonnen." (Peter Mayr, DER STANDARD Printausgabe, 06.07.2005)

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