Fusion Bawag/P.S.K.: Betriebsräte zögern

29. Juli 2005, 11:43
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Weil zu viele Fragen noch offen sind, haben die Betriebsräte bei den Aufsichtsratssitzungen vorerst gegen eine Fusion gestimmt

Wien - "Es geht uns vor allem um die rechtliche Absicherung der Mitarbeiter", erklärt die Vorsitzende des Bawag-Betriebsrats, Ingrid Streibel-Zarfl im Gespräch mit dem STANDARD. Daher habe sich der Bawag-Betriebsrat bei der gestrigen außerordentlichen Aufsichtsratssitzung vorerst gegen die Fusion mit der P.S.K. ausgesprochen. Es sei laut Streibel-Zarfl aber definitiv klar, dass es durch die Fusion zu keinem Mitarbeiterabbau kommen werde. Zu klären gilt es für die Bawag vor allem, ob durch die Fusion ein neues Unternehmen entsteht, oder ob auf die bisherige Struktur aufgebaut wird.

"Informationen zu kurzfristig vorgelegt"

Auch der P.S.K.-Betriebsrat Volkmar Harwanegg stimmte gegen die Fusion, weil "die Informationen zur Fusion viel zu kurzfristig vorgelegt wurden". Anders als Streibel-Zarfl rechnet Harwanegg mit einem Mitarbeiterabbau, der durch "Synergieeffekte" entsteht. "Die Absicherung der rechtlichen Ansprüche der Mitarbeiter in der neuen Bank ist uns wichtiger als einstimmige Beschlüsse im Aufsichtsrat", so Streibel-Zarfl. Es müsse noch geklärt werden, welche Betriebsvereinbarungen gelten und wer in den Gremien sitzt. Bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung an 1. August sollen die offenen Fragen geklärt sein.

Bis zum Herbst wollen Bawag und P.S.K. ihre Fusion unter Dach und Fach haben. Vor fünf Jahren hat die Bawag für 1,281 Milliarden Euro die Postsparkasse gekauft. Die Fusion der beiden Häuser war lange erwartet worden. Die zwei Banken sollen noch vor dem 30. September zur "Bawag Postsparkasse AG" verschmelzen, rückwirkend zum 1. Jänner 2005. 2001 wurden bereits Leasing, Immo-Töchter und die Kapitalanlagegesellschaften fusioniert, das Treasury kam ganz zur Bawag. Die zur Gänze im Eigentum der Gewerkschaft stehende Gewerkschaftsbank Bawag/P.S.K. trat bisher im Mutter-Tochter-Verhältnis als "Gruppe" auf, sie ist mit rund 57 Milliarden Euro Bilanzsumme viertgrößte Bank Österreichs.

Neue Konzernstruktur

Mit der Fusion gibt sich die Bawag/P.S.K. jedenfalls auch eine Konzernstruktur, die den Einstieg von Partnern oder Finanzinvestoren erleichtert. Damit macht sich die zu 100 Prozent dem ÖGB gehörende Bank für die Zukunft börse- oder partner-fit.

Von den aktuell rund 4000 Bankmitarbeitern im neuen großen Einzelinstitut im Inland waren bisher rund 1500 in der P.S.K., davon rund 400 im Beamtenstatus, noch einmal so viele Vertragsbedienstete. In inländischen Töchtern sind 800 Leute tätig, in den Auslandstöchtern nochmals tausend. Für die mehr als 1,3 Millionen Kunden ändern sich mit der Fusion weder Kontonummern noch Bankleitzahlen. Der volle neue Name der Großbank lautet: Bawag P.S.K. Bank für Arbeit und Wirtschaft und Österreichische Postsparkasse Aktiengesellschaft. Die Fusion braucht auch noch behördliches Okay. (bp, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.7.2005)

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